Predigt am zweiten Weihnachtstag 2013 in der Ev. Kirche Wilnsdorf
| Weihnachtsbaum in der Ev. Kirche Wilnsdorf |
Liebe
Gemeinde,
Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Bereits Wochen vor dem Fest geht es los: Wohltätigkeitsorganisationen
aller Art werben um unsere Aufmerksamkeit.
In
unseren Briefkästen finden wir aufwändig gestaltete Spendenaufrufe. Nicht selten sind irgendwelche
Gimmicks mit dabei: Postkarten und Kalender
mit Fotos von niedlichen dunkelhäutigen
Kindern, Adressaufkleber mit Pandabär-Motiv und dergleichen
mehr. Alles gratis, versteht sich.
Aber wir sind ja nicht dumm, wir
verstehen schon, wie das ganze
gemeint ist. Zumal die passenden Überweisungsformulare – wie praktisch - gleich
beiliegen.
„Fundraising“
nennt sich das auf Neu-Deutsch. Professionelle Spendenwerbung. Auch bei uns in der Kirche
greifen wir inzwischen ganz
selbstverständlich darauf zurück. Und warum auch
nicht? Wenn es um eine gute Sache geht, ist es ja nur zu begrüßen, wenn möglichst viele ermutigt werden, ihren Beitrag zu
leisten.
Im
2. Korintherbrief, im 8. und 9. Kapitel stoßen wir auf eine Art antikes
Fundraising. Paulus wirbt hier für eine großangelegte Spendenaktion zugunsten
der verarmten Jerusalemer Gemeinde. Ein Vers aus diesem Spendenaufruf ist uns
für heute als Predigttext vorgeschlagen.
Ich lese 2. Korinther 8,9:
Denn ihr kennt die Gnade
unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich
ist, wurde er doch arm um euretwillen,
damit ihr durch seine Armut reich würdet.
Liebe
Gemeinde,
ein
Zitat aus einem Spendenaufruf entpuppt sich als Weihnachtsbotschaft. So
konzentriert, so pointiert bekommen wir sie eher selten zu hören:
Obwohl er, Christus, reich ist, wurde er doch
arm um unseretwillen, damit wir durch
seine Armut reich würden.
Und
doch ist uns das Grundmotiv vertraut, dieser "fröhliche
Wechsel“, wie Martin Luther das
Ganze einmal genannt hat. Viele Weihnachtslieder erzählen davon: Eines davon
haben wir eben gesungen:
"Er äußert sich all seiner G`walt, wird
niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller
Ding".
Und
in einem von Luthers Weihnachtsliedern
„Gelobet seist Du Jesus Christ“, das
wir später noch zusammen singen
werden, heißt es in der 6. Strophe:
„Er ist auf Erden kommen
arm, dass er unser sich erbarm und
in dem Himmel mache
reich und seinen lieben Engeln gleich. Kyrieleis.“
Die
altbekannten Worte und Melodien rufen das vertraute Bild in uns wach: Vom
nächtlichen Stall und vom Kind in der Krippe.
Wie
ärmlich die Verhältnisse waren, in die das Jesuskind hineingeboren wurde, wird
in vielen Krippenspielen phantasievoll ausgeschmückt:
So
erfolgreich übrigens, dass man schon
ziemlich bibelfest sein muss, um z.B.
zu wissen, dass der böse Wirt, der Maria und Joseph so hartherzig fortschickt,
eine reine Erfindung ist.
Einfach damit man sich
das ein bisschen besser vorstellen
kann, wenn es heißt:
„Denn
sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“.
Und
doch: So behelfsmäßig das alles auch gewesen sein mag und so sehr wir jedes Jahr an
Weihnachten auch betonen mögen, wie arm das Jesuskind doch gewesen sein muss:
Die
nächtliche
Szene im Stall hat in unserer Kultur, in unserer gemeinsamen Vorstellung,
einen durchaus idyllischen Charakter angenommen.
Fernab
von den Häusern und Straßen der kleinen Stadt, irgendwo versteckt zwischen Hügeln liegt er, jener
windschiefe Unterstand.
Wer
ihn betritt, den empfängt die dampfende Wärme des Viehs und der Duft nach frischem
Heu.
Ein
wenig Licht spendet allein der Schein einer alten Laterne. Der gütige Joseph hält
sie hoch, um dem stillen Betrachter einen Blick auf das wunderbare Geschehen zu
ermöglichen:
Wir
sehen Maria, eingehüllt in ein fließend langes Gewand. Matt, aber beseelt
lächelt sie. Und hat doch nur Augen für ihr Neugeborenes: Hübsch ordentlich
gewickelt und gepuckt liegt es in seiner Krippe und schläft.
Scheu und ehrfürchtig
treten die Hirten hinzu. Gebeugt, ja anbetend verharren sie in angemessenem
Abstand zu Mutter und Kind.
Nur
die kleinsten ihrer wolleweichen Lämmer drängeln sich
vorwitzig um die Krippe.
Und
draußen hoch am Himmel, genau über dem Stall, leuchtet der Weihnachtsstern.
Liebe
Gemeinde, ist es nicht das, worum es
an Weihnachten wirklich geht?
Um
das Kind in der Krippe, um Maria und Joseph: Dieses bescheidene stille Glück,
dieses Sinnbild familiärer Geborgenheit, allem Ungemach der Welt da draußen zum
Trotz?
Genau
danach sehen sich viele, wir vielleicht auch, wenn es auf Weihnachten zugeht.
Wär`
das nicht schön, wenn auch wir, wenigstens ein kleines bisschen was von dieser
besonderen Weihnachtsstimmung erleben könnten, zuhause unterm Tannenbaum?
Diese
speziell- heimelige Atmosphäre: Gemütliches Zusammensein mit den Menschen, die
uns am nächsten stehen? Zusammenhalt spüren. Das Glück der Kinder genießen. Das
ist doch Weihnachten! So sollte es zumindest sein.
Bemerkenswert sachlich, beinahe kühl klingt dagegen
das, was Paulus schreibt. Geradezu formelhaft hört es sich an:
Denn ihr kennt die Gnade
unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich
ist, wurde er doch arm um
euretwillen, damit ihr durch seine
Armut reich würdet.
Paulus kommt ohne jedes
Pathos aus, er verzichtet auf alle die vertrauten Details:
Keine Rede von Heu und
Stroh, Stall und Krippe oder irgendwelche
anderen Zeichen materieller Entbehrung.
Paulus lenkt unseren Blick auf
das, was sich hinter all den sichtbaren Zeichen verbirgt:
Der Punkt, auf den alles
ankommt, ist für ihn nicht das improvisierte Babybettchen, sondern dass Christus ganz
bewusst und mit radikaler Konsequenz alle Vorteile seiner göttlichen Existenz
aufgibt.
"Christus wurde arm um
euretwillen".
Oder, wie im Christushymnus
aus dem Philipperbrief heißt, den wir eben gebetet haben:
Er
„erniedrigte
sich selbst und nahm Knechtsgestalt an“.
Das
bedeutet: Der Sohn Gottes unterwirft sich der Begrenztheit eines ganz
gewöhnlichen menschlichen Lebens. Freiwillig. Und zwar ohne Netz und doppelten
Boden.
Als
unsere Kinder noch klein waren und sich, wie wohl alle Kinder in einem bestimmten
Alter, gerne Rollenspiele ausgedacht haben, da standen sie immer wieder vor dem
Problem, dass ihnen nie alle Requisiten zur Verfügung standen, die eigentlich
nötig gewesen wären. Von fehlenden Fertigkeiten ganz zu schweigen!
Aber
Kinder sind ja bekanntlich erfinderisch.
Und
so spielten unsere drei z.B. Reiterhof trotz fehlender Pferde. Sie tranken
Kaffee, auch wenn echter Kaffee natürlich nichts ist für Kinder. Einer unserer
Jungs spielte sogar eine Zeitlang regelmäßig mit großer Hingabe auf einer
dreimanualigen Kemperorgel – zuhause im Kinderzimmer, versteht sich.
Der
Kunstgriff dabei: So tun als ob. So tun als ob die Sofalehne ein Pferd wäre. So
tun als ob kaltes Wasser Kaffee wäre. Und die Holzkiste der Spieltisch einer
Orgel.
So
tun als ob.
Nun
ist diese Redewendung nicht ganz leicht auszusprechen, wenn man erst zwei oder
drei Jahre alt ist.
Und
deshalb wurde in unserer Familiensprache aus „so tun als ob“ das sehr viel
einfachere „obstun“. Dieser
Sprachgebrauch hielt sich lange, auch als unsere Kinder längst fehlerfrei
sprechen konnten. Manchmal sagen wir das sogar heute noch: „Obstun“.
"Obstun"
ist eine feine Sache: Es ermöglicht ein vollkommen unverbindliches Probehandeln,
ein Ausprobieren und Reinschnuppern ohne ernsthafte Konsequenzen. Genau das,
was Kinder brauchen, um die Welt besser kennen zu lernen.
Für
den Sohn Gottes jedoch war das, was an Weihnachten geschehen ist alles andere
als ein "Obstun": Er wurde wirklich ein Mensch, mit allen
Konsequenzen, "ganz in echt", wie Kinder wohl sagen würden.
So
verstanden ist Weihnachten alles andere als eine nette, märchenhafte
Geschichte, die uns das Herz wärmt.
Ein Gott, der Mensch wird, und damit auf all seine göttlichen Privilegien
verzichtet und der dennoch Gott bleibt:
Das
ist ein Geschehen von kosmischer Bedeutung. Ein Ereignis, das die Verhältnisse
zwischen Himmel und Erde, zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt von
Grund auf verändert.
Ein Gott, der Mensch wird, und damit auf all seine göttlichen
Privilegien verzichtet und der dennoch Gott bleibt:
Das
ist aber auch eine echte Herausforderung für den menschlichen Verstand.
Unsere
Auffassungsgabe und unsere Vorstellungkraft kommen da nicht hinterher.
Aber
weil es in diesem Satz um nichts weniger geht, als um so etwas wie die Grundmatrix
des Evangeliums, lässt er sich nicht einfach beiseiteschieben.
Und
so mag es nicht verwundern, dass die Denker der jungen Kirche intensiv mit
diesem Paradoxon, diesem scheinbar unauflöslichen Widerspruch, gerungen haben.
Lange
haben die ersten christlichen Theologen hin- und her diskutiert. Es wurde heiß
gestritten.
Die
verschiedensten Möglichkeiten wurden durchgespielt, um das ganze irgendwie auf
den Begriff zu bringen:
- Ist Christus ein von Gott dem Vater irgendwann erschaffenes Wesen und damit eine Art Gott zweiter Klasse?
- Oder: Existierte Christus schon vor der Schöpfung?
- War es vielleicht so, dass der Mensch Jesus irgendwann, z.B. bei seiner Taufe, von Gott sozusagen adoptiert wurde? Als eine Art Auszeichnung, weil er ein besonders guter Mensch war, ein Prophet, ein begnadeter Lehrer?
- Oder war Jesus in Wahrheit doch gar kein richtiger Mensch, sondern war es denen, die mit ihm zu tun gehabt hatten, nur so vorgekommen, als wäre Jesus ein Mensch? Womit wir wieder bei der Idee wären, das Jesus ein "Obstun-Mensch" gewesen sein könnte. Ein Gott, der nur so tut, als wäre er ein Mensch?
Die
Situation muss ziemlich verwirrend gewesen sein. Wenn wir heute versuchen,
diese frühen Auseinandersetzungen darum, wer Jesus eigentlich war, irgendwie
nachzuvollziehen: Dann müssen wir uns echt konzentrieren, um einen gewissen Überblick
zu gewinnen.
Im
Jahr 325 schließlich, beim Konzil von Nicäa fand man eine Lösung, mit der alle
leben konnten. Als verbindliche Lehre wurde festgehalten:
Christus
ist nicht erschaffen worden, er war Gott von Anfang der Schöpfung. „Geboren vom
Vater vor aller Zeit“. Auf diese Formel einigte man sich.
„Er
ist vom Himmel gekommen und hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von
der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“
Also:
Jesus war wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich.
Damit
war die Diskussion zwar noch nicht beendet, denn der logische Knoten hatte sich
ja, streng genommen, nicht wirklich aufdröseln lassen, bis heute nicht.
Aber das Bekenntnis von Nicäa hat sich
durchgesetzt und verbindet die gesamte Christenheit nach wie vor weltweit.
Heute
am Weihnachtstag werden wir es in diesem Gottesdienst zusammen sprechen, es steht
in unserem Gesangbuch direkt hinter dem apostolischen Glaubensbekenntnis, das
wir für gewöhnlich sprechen.
Das
Glaubensbekenntnis von Nicäa verleiht uns Worte, mit denen wir das, was
eigentlich unfassbar ist, aussprechen und uns zu Herzen nehmen können:
Dass
Gott Anteil genommen hat an unserem Leben.
Dass
der Gott, auf den wir hoffen und dem wir vertrauen ist kein konturloses höheres
Wesen, keine anonyme allmächtige Größe irgendwo da draußen im Weltall ist.
Der
allmächtige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Ursprung von allem,
was lebt, unerreichbar für den menschlichen Verstand, hat sich uns gezeigt.Und
zwar zu einem konkreten Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit in der
Gestalt des Jesus von Nazareth.
Gott
war sich nicht zu schade, seine Majestät aufzugeben, das Leben eines ganz
gewöhnlichen Menschen zu führen.
Den
Grund, warum er das getan hat, nennt Paulus "Charis": Das heißt: Gnade.
Erbarmen. Mitgefühl. Gunsterweisung.
Gott
hat es nicht aushalten wollen, dass wir Menschen uns selbst und damit am Ende
dem Tod überlassen sind.
Darum
ist Jesus gekommen und hat alles erlebt, was zum Menschsein dazu gehört:
·
Die Freude an der Schönheit der Schöpfung,
·
die Erfahrung geliebt zu werden und dazuzugehören.
·
Das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben.
·
Das Risiko missverstanden zu werden und mit anderen in Konflikte zu
geraten.
·
die Plagerei und die Tücken des Alltags.
·
Müdigkeit, Zahnweh und Halsschmerzen.
·
Die Belastung, nicht in die Zukunft sehen zu können und deswegen immer
bedroht zu sein von der Sorge, was morgen sein wird.
·
Mit unerfüllten Wünschen zurechtkommen müssen. Todtraurig zu sein, wenn ein
geliebter Mensch stirbt.
"Christus wurde arm":
Das
heißt wohl auch das:
·
Dass Jesus nicht allwissend war,
·
dass er Gott nicht ins Geschichtsbuch sehen konnte.
·
Dass er nicht schon vorher wusste, wie alles ausgehen würde.
Am
deutlichsten erkennen wir das an der Szene im Garten Gethsemane, kurz bevor
Jesus verhaftet wurde. Unter Tränen hat er den Vater im Himmel angefleht: "Vater, willst Du, so nimm diesen
Kelch von mir. Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe."
Wir
schmälern das Vertrauen, das Jesus Gott entgegen gebracht hat, wenn wir aus ihm
unter der Hand eine Art Übermensch machen, einen Supermann, der das Risiko des
Glaubens im Grunde nicht nötig hatte.
Denn
das ist ja gerade der Verdienst von Jesus, dass er Gott rückhaltlos vertraut
hat. So ausnahms- und bedingungslos wie kein anderer Mensch, der vor ihm oder
nach ihm gelebt hat.
Alle
vier Evangelien berichten übereinstimmend davon wie Jesus in jeder Situation
seines Lebens daran festgehalten hat, dass Gott die Liebe ist. Selbst am Kreuz,
als sich alle Gemeinheit und Bosheit zu der wir Menschen fähig sind, gegen ihn
richteten.
Jesus
ist Gott treu geblieben ist, bis zum letzten Atemzug
Darum
hat der Tod Jesus nicht festhalten können.
Gott
ihn aus dem Tod herausgerufen und ihm neues, ewiges Leben geschenkt. Eine neue
Art von Leben, gegen das der Tod nichts mehr ausrichten kann.
Darin
besteht der Reichtum, den Jesus erworben hat.
Und
diesen Reichtum behält er nicht für sich, sondern will ihn mit uns teilen.
Das
ist die gute Nachricht, jene große Freude, die allem Volk wiederfahren soll, so
wie es der Engel den Hirten auf dem Feld verkündigt hat.
Christus wurde arm um
euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet.
Diejenigen,
die begriffen haben, wie reich beschenkt sie sind durch das, was Jesus getan
hat, die werden nun gar nicht anders können, als diesen Reichtum mit anderen zu
teilen.
Immer
wieder in der Geschichte der Kirche, ist das Hand in Hand gegangen: Die, deren
Herzen berührt worden sind von Gottes Gnade, haben sie weiter gegeben in Wort
und Tat.
Ein
frühes Beispiel dafür ist der überwältigende Erfolg jener Spendenaktion
zugunsten der verarmten Jerusalemer Gemeinde, von der wir zu Beginn schon
gehört haben.
Dieses
Projekt muss einzigartig gewesen sein für die damaligen Verhältnisse. Wir
können das Geschehen recht gut rekonstruieren, wenn wir den verschiedenen
Hinweisen im Neuen Testament nachgehen.
Wie
viele Spendenbriefe von der Art, wie die Korinther ihn bekommen haben, werden
Paulus und seine Mitarbeiter wohl geschrieben haben? Wir wissen es nicht.
Sicher ist: Am Ende muss einen gewaltige Summe zusammen gekommen sein.
Sie
war das Ergebnis vieler kleiner Einzelspenden, hergegeben von Leuten, die
teilweise selbst kaum genug zum Leben hatten.
Aus
allen Himmelrichtungen flossen die Spenden: Aus
Mazedonien und Griechenland ebenso wie aus den entlegensten Gebieten der
heutigen Türkei.
Über
alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg haben diese Christen der ersten
Generation sich zusammengetan um ihren Glaubensgeschwistern in Jerusalem zu
helfen. Männer
und Frauen, Freie und Sklaven, römische Bürger und Angehöriger fremder Völker,
Leute, die eigentlich überhaupt nichts verband als allein der Glaube an Jesus:
Sie alle haben zusammen gelegt, um ihren
unbekannten Brüdern und Schwestern in ihrer Not zu helfen. Sie
taten es aus Liebe, weil sie verstanden hatten, dass das einfach dazu gehört,
wenn man Jesus nachfolgen will: Die Bereitschaft, eigenen Privilegien
loszulassen zugunsten von denen, die in Not sind.
Das
alles war nicht nur eine organisatorische Meisterleistung, wenn man bedenkt,
dass es damals noch kein Bankwesen gab in unserem heutigen Sinne.
Diese
Spendenaktion markiert auch der Beginn der Gewohnheit, dass in christlichen
Gottesdiensten eine Kollekte eingesammelt wird zugunsten diakonischer Aufgaben
und kirchlicher Projekte überall auf der Welt.
Die
Sammlung für die Jerusalemer Urgemeinde wurde aber auch zum Symbol dafür, dass
die alte Trennung zwischen Juden und Heiden durch Jesus überwunden ist. Die
Gemeinde, für die die Gaben bestimmt waren, bestand ja überwiegend aus
Judenchristen und in den Gemeinden die sammelten, trafen sich überwiegend Christen
aus heidnischen Völkern.
Ein
wenig hatte die ganze Spendenaktion also auch den Charakter eines Dankeschöns
an die Mutter aller Gemeinden, die Urgemeinde in Jerusalem.
Von
dort, aus der Heiligen Stadt, war das Evangelium ja ausgebreitet worden in die
gesamte damals bekannte Welt.
Die
Augenzeugen dessen, was mit Jesus passiert war, hatten ihre Erfahrungen nicht
für sich behalten, sondern sie mit anderen geteilt, so wie Jesus es ihnen
aufgetragen hatte. Ein Segenskreislauf war entstanden:
Alle
sollen jetzt dazu gehören. Die Tür zur reich gefüllten Schatzkammer der Verheißungen
Gottes, zu der zuerst nur das Volk Israel den Zugang hatte, diese Tür steht nun
allen offen, die auf Jesus vertrauen.
"Jesus
hat den Himmel heruntergewirtschaftet", hat der Schweizer Theologe und
Dichter Kurt Marti einmal augenzwinkernd gesagt und von der
"Gnadenwirtschaft Gottes" gesprochen.
Gebe
Gott, dass die Freude an dieser Gnadenwirtschaft Gottes immer wieder neu auch unsere
Herzen erreicht.
Dass
sie uns zu fröhlichen Empfängern und zu ebenso fröhlichen Gebern macht.
Und der Friede
Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in
Jesus Christus, unserem Herrn.
Amen.