Donnerstag, 26. Dezember 2013

arm für uns (Predigt über 2. Kor. 8,9)

Predigt am zweiten Weihnachtstag 2013 in der Ev. Kirche Wilnsdorf

Weihnachtsbaum in der Ev. Kirche Wilnsdorf
Liebe Gemeinde,
Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Bereits Wochen vor dem Fest geht es los: Wohltätigkeitsorganisationen aller Art werben um unsere Aufmerksamkeit.
In unseren Briefkästen finden wir aufwändig gestaltete Spendenaufrufe. Nicht selten sind irgendwelche Gimmicks mit dabei: Postkarten und Kalender mit Fotos von niedlichen dunkelhäutigen Kindern, Adressaufkleber mit Pandabär-Motiv und dergleichen mehr. Alles gratis, versteht sich. Aber wir sind ja nicht dumm, wir verstehen schon, wie das ganze gemeint ist. Zumal die passenden Überweisungsformulare – wie praktisch - gleich beiliegen.
„Fundraising“ nennt sich das auf Neu-Deutsch. Professionelle Spendenwerbung. Auch bei uns in der Kirche greifen wir inzwischen ganz selbstverständlich darauf zurück. Und warum auch nicht? Wenn es um eine gute Sache geht, ist es ja nur zu begrüßen, wenn möglichst viele ermutigt werden, ihren Beitrag zu leisten.

Im 2. Korintherbrief, im 8. und 9. Kapitel stoßen wir auf eine Art antikes Fundraising. Paulus wirbt hier für eine großangelegte Spendenaktion zugunsten der verarmten Jerusalemer Gemeinde. Ein Vers aus diesem Spendenaufruf ist uns für heute als Predigttext vorgeschlagen.
Ich lese 2. Korinther 8,9:

Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet.

Liebe Gemeinde,
ein Zitat aus einem Spendenaufruf entpuppt sich als Weihnachtsbotschaft. So konzentriert, so pointiert bekommen wir sie eher selten zu hören:
Obwohl er, Christus, reich ist, wurde er  doch arm um unseretwillen, damit wir durch seine Armut reich würden.

Und doch ist uns das Grundmotiv vertraut, dieser "fröhliche Wechsel“, wie Martin Luther das Ganze einmal genannt hat. Viele Weihnachtslieder erzählen davon: Eines davon haben wir eben gesungen:
"Er äußert sich all seiner G`walt, wird niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding".

Und in einem von Luthers Weihnachtsliedern „Gelobet seist Du Jesus Christ“, das wir später noch zusammen singen werden, heißt es in der 6. Strophe:
„Er ist auf Erden kommen arm, dass er unser sich erbarm und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Kyrieleis.“

Die altbekannten Worte und Melodien rufen das vertraute Bild in uns wach: Vom nächtlichen Stall und vom Kind in der Krippe.  
Wie ärmlich die Verhältnisse waren, in die das Jesuskind hineingeboren wurde, wird in vielen Krippenspielen phantasievoll ausgeschmückt:
So erfolgreich übrigens, dass man schon ziemlich bibelfest sein muss, um z.B. zu wissen, dass der böse Wirt, der Maria und Joseph so hartherzig fortschickt, eine reine Erfindung ist.

Einfach damit man sich das ein bisschen besser vorstellen kann, wenn es heißt:
„Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“.

Und doch: So behelfsmäßig das alles auch gewesen sein mag und so sehr wir jedes Jahr an Weihnachten auch betonen mögen, wie arm das Jesuskind doch gewesen sein muss:  
Die nächtliche Szene im Stall hat in unserer Kultur, in unserer gemeinsamen Vorstellung, einen  durchaus  idyllischen Charakter angenommen.

Fernab von den Häusern und Straßen der kleinen Stadt, irgendwo  versteckt zwischen Hügeln liegt er, jener windschiefe Unterstand.
Wer ihn betritt, den empfängt die dampfende Wärme des Viehs und der Duft nach frischem Heu.
Ein wenig Licht spendet allein der Schein einer alten Laterne. Der gütige Joseph hält sie hoch, um dem stillen Betrachter einen Blick auf das wunderbare Geschehen zu ermöglichen:
Wir sehen Maria, eingehüllt in ein fließend langes Gewand. Matt, aber beseelt lächelt sie. Und hat doch nur Augen für ihr Neugeborenes: Hübsch ordentlich gewickelt und gepuckt liegt es in seiner Krippe und schläft.
Scheu und ehrfürchtig treten die Hirten hinzu. Gebeugt, ja anbetend verharren sie in angemessenem Abstand zu Mutter und Kind.
Nur die kleinsten ihrer wolleweichen Lämmer drängeln sich vorwitzig um die Krippe.
Und draußen hoch am Himmel, genau über dem Stall, leuchtet der Weihnachtsstern.

Liebe Gemeinde, ist es nicht das, worum es an Weihnachten wirklich geht?
Um das Kind in der Krippe, um Maria und Joseph: Dieses bescheidene stille Glück, dieses Sinnbild familiärer Geborgenheit, allem Ungemach der Welt da draußen zum Trotz?

Genau danach sehen sich viele, wir vielleicht auch, wenn es auf Weihnachten zugeht.
Wär` das nicht schön, wenn auch wir, wenigstens ein kleines bisschen was von dieser besonderen Weihnachtsstimmung erleben könnten, zuhause unterm Tannenbaum?
Diese speziell- heimelige Atmosphäre: Gemütliches Zusammensein mit den Menschen, die uns am nächsten stehen? Zusammenhalt spüren. Das Glück der Kinder genießen. Das ist doch Weihnachten! So sollte es zumindest sein.

Bemerkenswert sachlich, beinahe kühl klingt dagegen das, was Paulus schreibt. Geradezu formelhaft hört es sich an:   
Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet.
Paulus kommt ohne jedes Pathos aus, er verzichtet auf alle die vertrauten Details:
Keine Rede von Heu und Stroh, Stall und  Krippe oder irgendwelche anderen Zeichen materieller Entbehrung.

Paulus lenkt unseren Blick auf das, was sich hinter all den sichtbaren Zeichen verbirgt:  
Der Punkt, auf den alles ankommt, ist für ihn nicht das improvisierte Babybettchen, sondern dass Christus ganz bewusst und mit radikaler Konsequenz alle Vorteile seiner göttlichen Existenz aufgibt.

"Christus wurde arm um euretwillen".

Oder, wie im Christushymnus aus dem Philipperbrief heißt, den wir eben gebetet haben:  

Er „erniedrigte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an“.

Das bedeutet: Der Sohn Gottes unterwirft sich der Begrenztheit eines ganz gewöhnlichen menschlichen Lebens. Freiwillig. Und zwar ohne Netz und doppelten Boden.

Als unsere Kinder noch klein waren und sich, wie wohl alle Kinder in einem bestimmten Alter, gerne Rollenspiele ausgedacht haben, da standen sie immer wieder vor dem Problem, dass ihnen nie alle Requisiten zur Verfügung standen, die eigentlich nötig gewesen wären. Von fehlenden Fertigkeiten ganz zu schweigen!
Aber Kinder sind ja bekanntlich erfinderisch.

Und so spielten unsere drei z.B. Reiterhof trotz fehlender Pferde. Sie tranken Kaffee, auch wenn echter Kaffee natürlich nichts ist für Kinder. Einer unserer Jungs spielte sogar eine Zeitlang regelmäßig mit großer Hingabe auf einer dreimanualigen Kemperorgel – zuhause im Kinderzimmer, versteht sich.
Der Kunstgriff dabei: So tun als ob. So tun als ob die Sofalehne ein Pferd wäre. So tun als ob kaltes Wasser Kaffee wäre. Und die Holzkiste der Spieltisch einer Orgel.
So tun als ob.

Nun ist diese Redewendung nicht ganz leicht auszusprechen, wenn man erst zwei oder drei Jahre alt ist.
Und deshalb wurde in unserer Familiensprache aus „so tun als ob“ das sehr viel einfachere „obstun“. Dieser Sprachgebrauch hielt sich lange, auch als unsere Kinder längst fehlerfrei sprechen konnten. Manchmal sagen wir das sogar heute noch: „Obstun“.

"Obstun" ist eine feine Sache: Es ermöglicht ein vollkommen unverbindliches Probehandeln, ein Ausprobieren und Reinschnuppern ohne ernsthafte Konsequenzen. Genau das, was Kinder brauchen, um die Welt besser kennen zu lernen.
Für den Sohn Gottes jedoch war das, was an Weihnachten geschehen ist alles andere als ein "Obstun": Er wurde wirklich ein Mensch, mit allen Konsequenzen, "ganz in echt", wie Kinder wohl sagen würden.
So verstanden ist Weihnachten alles andere als eine nette, märchenhafte Geschichte, die uns das Herz wärmt.

Ein Gott, der Mensch wird, und damit auf all seine göttlichen Privilegien verzichtet und der dennoch Gott bleibt:
Das ist ein Geschehen von kosmischer Bedeutung. Ein Ereignis, das die Verhältnisse zwischen Himmel und Erde, zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt von Grund auf verändert.

Ein Gott, der Mensch wird, und damit auf all seine göttlichen Privilegien verzichtet und der dennoch Gott bleibt:
Das ist aber auch eine echte Herausforderung für den menschlichen Verstand.
Unsere Auffassungsgabe und unsere Vorstellungkraft kommen da nicht hinterher.
Aber weil es in diesem Satz um nichts weniger geht, als um so etwas wie die Grundmatrix des Evangeliums, lässt er sich nicht einfach beiseiteschieben.
Und so mag es nicht verwundern, dass die Denker der jungen Kirche intensiv mit diesem Paradoxon, diesem scheinbar unauflöslichen Widerspruch, gerungen haben.
Lange haben die ersten christlichen Theologen hin- und her diskutiert. Es wurde heiß gestritten.

Die verschiedensten Möglichkeiten wurden durchgespielt, um das ganze irgendwie auf den Begriff zu bringen:

  • Ist Christus ein von Gott dem Vater irgendwann erschaffenes Wesen und damit eine Art Gott zweiter Klasse?
  • Oder: Existierte Christus schon vor der Schöpfung?
  • War es vielleicht so, dass der Mensch Jesus irgendwann, z.B. bei seiner Taufe, von Gott sozusagen adoptiert wurde? Als eine Art Auszeichnung, weil er ein besonders guter Mensch war, ein Prophet, ein begnadeter Lehrer?
  • Oder war Jesus in Wahrheit doch gar kein richtiger Mensch, sondern war es denen, die mit ihm zu tun gehabt hatten, nur so vorgekommen, als wäre Jesus ein Mensch? Womit wir wieder bei der Idee wären, das Jesus ein "Obstun-Mensch" gewesen sein könnte. Ein Gott, der nur so tut, als wäre er ein Mensch?
 Die Situation muss ziemlich verwirrend gewesen sein. Wenn wir heute versuchen, diese frühen Auseinandersetzungen darum, wer Jesus eigentlich war, irgendwie nachzuvollziehen: Dann müssen wir uns echt konzentrieren, um einen gewissen Überblick zu gewinnen.

Im Jahr 325 schließlich, beim Konzil von Nicäa fand man eine Lösung, mit der alle leben konnten. Als verbindliche Lehre wurde festgehalten:
Christus ist nicht erschaffen worden, er war Gott von Anfang der Schöpfung. „Geboren vom Vater vor aller Zeit“. Auf diese Formel einigte man sich.
„Er ist vom Himmel gekommen und hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“  
Also: Jesus war wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich.

Damit war die Diskussion zwar noch nicht beendet, denn der logische Knoten hatte sich ja, streng genommen, nicht wirklich aufdröseln lassen, bis heute nicht.

Aber das Bekenntnis von Nicäa hat sich durchgesetzt und verbindet die gesamte Christenheit nach wie vor weltweit.
Heute am Weihnachtstag werden wir es in diesem Gottesdienst zusammen sprechen, es steht in unserem Gesangbuch direkt hinter dem apostolischen Glaubensbekenntnis, das wir für gewöhnlich sprechen.
Das Glaubensbekenntnis von Nicäa verleiht uns Worte, mit denen wir das, was eigentlich unfassbar ist, aussprechen und uns zu Herzen nehmen können:

Dass Gott Anteil genommen hat an unserem Leben.
Dass der Gott, auf den wir hoffen und dem wir vertrauen ist kein konturloses höheres Wesen, keine anonyme allmächtige Größe irgendwo da draußen im Weltall ist.
Der allmächtige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Ursprung von allem, was lebt, unerreichbar für den menschlichen Verstand, hat sich uns gezeigt.Und zwar zu einem konkreten Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit in der Gestalt des Jesus von Nazareth.

Gott war sich nicht zu schade, seine Majestät aufzugeben, das Leben eines ganz gewöhnlichen Menschen zu führen.

Den Grund, warum er das getan hat, nennt Paulus "Charis": Das heißt: Gnade. Erbarmen. Mitgefühl. Gunsterweisung.
Gott hat es nicht aushalten wollen, dass wir Menschen uns selbst und damit am Ende dem Tod überlassen sind.

Darum ist Jesus gekommen und hat alles erlebt, was zum Menschsein dazu gehört:
·        Die Freude an der Schönheit der Schöpfung,
·        die Erfahrung geliebt zu werden und dazuzugehören.
·        Das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben.
·        Das Risiko missverstanden zu werden und mit anderen in Konflikte zu geraten.
·        die Plagerei und die Tücken des Alltags.
·        Müdigkeit, Zahnweh und Halsschmerzen.
·        Die Belastung, nicht in die Zukunft sehen zu können und deswegen immer bedroht zu sein von der Sorge, was morgen sein wird.
·        Mit unerfüllten Wünschen zurechtkommen müssen. Todtraurig zu sein, wenn ein geliebter Mensch stirbt.

"Christus wurde arm":

Das heißt wohl auch das:
·        Dass Jesus nicht allwissend war,
·        dass er Gott nicht ins Geschichtsbuch sehen konnte.
·        Dass er nicht schon vorher wusste, wie alles ausgehen würde.

Am deutlichsten erkennen wir das an der Szene im Garten Gethsemane, kurz bevor Jesus verhaftet wurde. Unter Tränen hat er den Vater im Himmel angefleht: "Vater, willst Du, so nimm diesen Kelch von mir. Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe."

Wir schmälern das Vertrauen, das Jesus Gott entgegen gebracht hat, wenn wir aus ihm unter der Hand eine Art Übermensch machen, einen Supermann, der das Risiko des Glaubens im Grunde nicht nötig hatte.
Denn das ist ja gerade der Verdienst von Jesus, dass er Gott rückhaltlos vertraut hat. So ausnahms- und bedingungslos wie kein anderer Mensch, der vor ihm oder nach ihm gelebt hat.  

Alle vier Evangelien berichten übereinstimmend davon wie Jesus in jeder Situation seines Lebens daran festgehalten hat, dass Gott die Liebe ist. Selbst am Kreuz, als sich alle Gemeinheit und Bosheit zu der wir Menschen fähig sind, gegen ihn richteten.
Jesus ist Gott treu geblieben ist, bis zum letzten Atemzug

Darum hat der Tod Jesus nicht festhalten können.
Gott ihn aus dem Tod herausgerufen und ihm neues, ewiges Leben geschenkt. Eine neue Art von Leben, gegen das der Tod nichts mehr ausrichten kann.

Darin besteht der Reichtum, den Jesus erworben hat.

Und diesen Reichtum behält er nicht für sich, sondern will ihn mit uns teilen.

Das ist die gute Nachricht, jene große Freude, die allem Volk wiederfahren soll, so wie es der Engel den Hirten auf dem Feld verkündigt hat.   

Christus wurde arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet.

Diejenigen, die begriffen haben, wie reich beschenkt sie sind durch das, was Jesus getan hat, die werden nun gar nicht anders können, als diesen Reichtum mit anderen zu teilen.

Immer wieder in der Geschichte der Kirche, ist das Hand in Hand gegangen: Die, deren Herzen berührt worden sind von Gottes Gnade, haben sie weiter gegeben in Wort und Tat.

Ein frühes Beispiel dafür ist der überwältigende Erfolg jener Spendenaktion zugunsten der verarmten Jerusalemer Gemeinde, von der wir zu Beginn schon gehört haben.  
Dieses Projekt muss einzigartig gewesen sein für die damaligen Verhältnisse. Wir können das Geschehen recht gut rekonstruieren, wenn wir den verschiedenen Hinweisen im Neuen Testament nachgehen.

Wie viele Spendenbriefe von der Art, wie die Korinther ihn bekommen haben, werden Paulus und seine Mitarbeiter wohl geschrieben haben? Wir wissen es nicht. Sicher ist: Am Ende muss einen gewaltige Summe zusammen gekommen sein.
Sie war das Ergebnis vieler kleiner Einzelspenden, hergegeben von Leuten, die teilweise selbst kaum genug zum Leben hatten.

Aus allen Himmelrichtungen flossen die Spenden: Aus  Mazedonien und Griechenland ebenso wie aus den entlegensten Gebieten der heutigen Türkei.
Über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg haben diese Christen der ersten Generation sich zusammengetan um ihren Glaubensgeschwistern in Jerusalem zu helfen. Männer und Frauen, Freie und Sklaven, römische Bürger und Angehöriger fremder Völker, Leute, die eigentlich überhaupt nichts verband als allein der Glaube an Jesus: Sie alle haben  zusammen gelegt, um ihren unbekannten Brüdern und Schwestern in ihrer Not zu helfen. Sie taten es aus Liebe, weil sie verstanden hatten, dass das einfach dazu gehört, wenn man Jesus nachfolgen will: Die Bereitschaft, eigenen Privilegien loszulassen zugunsten von denen, die in Not sind.

Das alles war nicht nur eine organisatorische Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass es damals noch kein Bankwesen gab in unserem heutigen Sinne.

Diese Spendenaktion markiert auch der Beginn der Gewohnheit, dass in christlichen Gottesdiensten eine Kollekte eingesammelt wird zugunsten diakonischer Aufgaben und kirchlicher Projekte überall auf der Welt.

Die Sammlung für die Jerusalemer Urgemeinde wurde aber auch zum Symbol dafür, dass die alte Trennung zwischen Juden und Heiden durch Jesus überwunden ist. Die Gemeinde, für die die Gaben bestimmt waren, bestand ja überwiegend aus Judenchristen und in den Gemeinden die sammelten, trafen sich überwiegend Christen aus heidnischen Völkern.

Ein wenig hatte die ganze Spendenaktion also auch den Charakter eines Dankeschöns an die Mutter aller Gemeinden, die Urgemeinde in Jerusalem.
Von dort, aus der Heiligen Stadt, war das Evangelium ja ausgebreitet worden in die gesamte damals bekannte Welt.

Die Augenzeugen dessen, was mit Jesus passiert war, hatten ihre Erfahrungen nicht für sich behalten, sondern sie mit anderen geteilt, so wie Jesus es ihnen aufgetragen hatte. Ein Segenskreislauf war entstanden:

Alle sollen jetzt dazu gehören. Die Tür zur reich gefüllten Schatzkammer der Verheißungen Gottes, zu der zuerst nur das Volk Israel den Zugang hatte, diese Tür steht nun allen offen, die auf Jesus vertrauen.

"Jesus hat den Himmel heruntergewirtschaftet", hat der Schweizer Theologe und Dichter Kurt Marti einmal augenzwinkernd gesagt und von der "Gnadenwirtschaft Gottes" gesprochen.

Gebe Gott, dass die Freude an dieser Gnadenwirtschaft Gottes immer wieder neu auch unsere Herzen erreicht.
Dass sie uns zu fröhlichen Empfängern und zu ebenso fröhlichen Gebern macht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn.

Amen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen