Predigt beim Literarischen Gottesdienst am Sonntag Oculi, 23. März 2014
Trinitatiskirche Wilnsdorf-Niederdielfen
Text: Das Buch Esther (v.a. Esther 4, 12 16)
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und von Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.
Liebe
Gemeinde,
mutig leben. Ja, klar, das möchte ich auch.
Aber:
Ein Fallschirmsprung? Freiwillig, so wie in der Geschichte vorhin?
Also,
was mich betrifft: Nein, niemals! Mir wird, ehrlich gesagt, schon blümerant zu
Mute, wenn ich beim Abstauben der Bücherregale die oberste Sprosse der
Haushaltsleiter erklimmen muss!
Da
scheide ich als Kandidatin für einen Fallschirmsprung wohl von vorne hereinaus
aus. Allein die Vorstellung lässt mich erschauern:
Ein
Flugzeug besteigen, damit sich irgendwo hoch oben über den Wolke, eine Luke öffnet.
Ins Bodenlose fallen, lediglich abgebremst durch ein bisschen Stoff. Zusammengefaltet von irgendjemandem, der
hoffentlich etwa von der Sache versteht.
Nein,
beim besten Willen nicht! Das ist nichts für mich!
Andererseits:
Die eigene Komfortzone verlassen. Grenzen überwinden, etwas wagen, was ich noch
nie gewagt habe. Das hat auch etwas Faszinierendes.
Mutig leben: Als Predigttext für heute haben
wir eine Mutgeschichte aus dem AltenTestament ausgewählt.
Die
Geschichte von Esther. Nachzulesen in dem gleichnamigen eigenständigen Buch, zu
finden unmittelbar vor Hiob und den Psalmen. Also beinahe in der Mitte der
Bibel (zeigen).
Schauplatz
dieser Geschichte ist der persische Königshof, die Festung Susa, ein
märchenhafter Ort, wie aus Tausendundeiner Nacht.
Damals, also vor ungefähr 2500 Jahren residierte dort König Xerxes. Sein
Territorium reichte von Libyen bis an die indische Grenze und umfasste
insgesamt 127 Provinzen[1]. Xerxes war
Oberbefehlshaber einer riesigen Armee und führte grausame Kriege. Das heißt,
genau genommen muss es eigentlich heißen: Xerxes ließ grausame Kriege führen.
Historiker gehen davon aus, dass
er selbst nie selbst ein Schwert zur Hand genommen hat. Warum auch? Xerxes
wusste seine Zeit vergnüglicher herumzubekommen, denn er liebte exzentrische
Partys.
Grausam sein, dafür muss ein
König wie er doch kein Schlachtfeld betreten!
Betrat zum Beispiel jemand unaufgefordert
seinen Thronsaal, pflegte Xerxes zu seinem goldenen Zepter zu greifen. Zeigte
er damit auf die eintretende Person, war alles in Ordnung. Wenn nicht, war
der betreffende Menschen des Todes.
Esthers
Geschichte beginnt damit, dass Xerxes mal wieder eine Party gibt. 180 Tage lang
wird geschlemmt und (auf Deutsch gesagt) gesoffen. Aber irgendwann ist die Luft
raus. Den Gästen und vor allem dem Gastgeber wird es langweilig.
Xerxes lässt
nach der Königin rufen. Vasthi heißt sie und sie ist eine Frau von außerordentlicher
Schönheit. Ihr Erscheinen könnte der Veranstaltung noch einmal einen gewissen
Kick geben.
Aber
Vasthi zeigt ihrem Ehemann die kalte Schulter. Sie hat offenbar keine Lust,
sich herauszuputzen, keine Lust darauf sich begaffen zu lassen. Und so lässt
sie Xerxes mitteilen: Nein, ich komme nicht.
Mutig leben! In Vasthis Fall heißt das: Sie
verweigert sich. Schaltet auf stur. Vielleicht hat sie es satt, Xerxes Schmuckstück
zu sein: Hervor geholt nach Bedarf. Eine menschliche Requisite auf einer
prachtvollen Bühne. Ein Mittel zum Zweck.
Nein,
sie wird das nicht länger mitmachen. Vasthis Selbstachtung ist stärker als die drohenden
Konsequenzen. Denn die sind unausweichlich:
Vasthi
muss gehen. Die Berater des Königs sind sich einig:
"Wo kämen wir denn da
hin?", so
empören sie sich, " Wenn sich das
rumspricht, fangen womöglich überall im Land die Frauen an, ihren Männern den
Gehorsam zu verweigern! Und wo das hinführt, darüber wollen wir lieber gar
nicht weiter nachdenken!".
Ganz
klar, der König wird sich scheiden lassen müssen. Frauen hat er ja sowieso
genug. Einen ganzen Harem voll.
Xerxes selbst
sieht das offenbar anders. Ein König, der etwas auf sich hält, braucht schließlich
eine präsentable Königin! Und schon hat der Beraterstab ein neues Projekt vor
der Brust, das Projekt "Neue Königin."
Das
Konzept, das Xerxes schließlich vorgelegt wird, erinnert an ein aktuelles
Fernsehformat: Am Königshof soll es nämlich ungefähr so zugehen wie beim
„Bachelor“ auf RTL.
Das Casting
am persischen Hof sieht so aus: Zuerst wird in jeder Provinz eine Art Schönheitskönigin
ermittelt. Diese handverlesenen 127 jungen Frauen werden ins Frauenhaus des
Palastes eingeladen. Dort sollen sie dem König zugeführt werden. Eine nach der
anderen.
Mag Xerxes
selbst in aller Ruhe und in jeder Hinsicht ausprobieren, welche am ehesten
seinen Vorstellungen entspricht!
Bevor es
soweit ist, müssen alle Mädchen jedoch zunächst ein ausgeklügeltes Beauty-Programm durchlaufen:
Ein ganzes
Jahr ist dafür vorgesehen. Für die jungen Frauen bedeutet das: Ein Jahr lang
nichts als Ölmassagen, Cremepackungen, Aromatherapie und was sonst nicht noch
alles. Jede Menge Wellness also. Hört sich vielleicht erst mal ganz nett an,
dürfte aber auf die Dauer eher nervtötend sein. Und wie erniedrigend die ganze
Angelegenheit im Grunde ist, scheint niemanden zu interessieren. Aber das spielt
ja bei unseren heutigen Casting-Shows ganz offensichtlich auch keine Rolle.
Wie auch
immer: Im Palast in Susa gewinnt am Ende ein Mädchen namens Esther. Das heißt,
eigentlich heißt sie Hadassa, aber das ist ihr jüdischer Name. Den soll sie im
Palast lieber nicht verwenden, hat Mordechai, ihr Cousin, ihr geraten. Er muss
es schließlich wissen, denn er arbeitet an der Pforte des Palastes und kennt
sich aus.
Mordechai
ist für Esther mehr als ein Cousin. Im Grund ist er ihr Pflegevater. Weil er
sich um Esther gekümmert hat nach dem frühen Tod ihrer Eltern.
Für die
persische Regenbogenpresse böte sich nun also eine schöne Schlagzeile an: Waisenkind
mit Migrationshintergrund wird Königin!
Die
Geschichte könnte damit zu Ende sein. Frei nach dem Motto: „und wenn sie nicht gestorben sind, so leben
sie noch heute“:
Aber
Esthers Geschichte ist kein Märchen, sondern sie entwickelt sich unversehens zum
Albtraum.
Verantwortlich
dafür ist Haman. Der oberste Hofbeamte. Ein Mann, der für Xerxes genauso
wichtig wie Kanzleramtsminister Altmeier für Angela Merkel.
Nun ist
Haman, ganz offen gesagt, ein Ekelpaket.
Eine Art
Anerkennungsjunkie, einer der in einem fort Bestätigung braucht. Ein Ichling
sondergleichen. Hinzu kommt, dass Haman mindestens so grausam ist wie sein
Chef.
Haman erwirkt,
dass alle, die ihm begegnen, sich vor ihm verneigen müssen, mit ganz großer
Geste, so als sei er ein Gott.
Alle am
Hof fügen sich. Alle, bis auf Mordechai. Für ihn kommt das offenbar überhaupt nicht
in Frage, denn Mordechai ist Jude. Mag er noch so integriert sein in die persische
Gesellschaft: Damit ist eine Grenze erreicht.
„Höre Israel, der Herr ist unser
Gott. Der Herr allein.[2]“
Hier in Persien,
in der Verbannung, weit weg von zuhause, ist dieses alte Glaubensbekenntnis vielen
Juden so wichtig geworden wie nie zuvor.
Die
meisten halten es wie Mordechai: Sie haben sich angepasst, haben vielleicht sogar
Karriere gemacht. Sie fallen gar nicht mehr groß auf unter den Einheimischen.
Rein
äußerlich betrachtet, könnte man meinen: Der jüdische Glaube sei bedeutungslos geworden:
Das gelobte Land ist für die Juden unerreichbar und damit auch Jerusalem, die
heilige Stadt. Es gibt keinen König mehr, keinen Tempel, keine
Opfergottesdienste.
Und doch
ist in den Jahren der Verbannung etwas entscheidendes geschehen: Der Glaube an Jahwe, den unsichbaren Schöpfer
des Himmel und der Erde, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, dieser Glaube
hat endlich Wurzeln geschlagen in den Köpfen und in den Herzen.
Der
Glaube der aus Israel Vertriebenen ist unabhängig geworden von heiligen Orten
und spektakulären Ritualen.
Der
Anker, der dieser veränderten Art zu Glauben Festigkeit verleiht, ist das Wort
Gottes. Nachzulesen für jeden, der sich auf den Umgang mit einer Schriftrolle
versteht.
Die
Gebote, die Psalmen, die Schriften der Propheten. Hier in der Fremde haben die
Juden ihren Glauben im wahrsten Sinne des Wortes neu durchbuchstabiert.
Was das
bewirken kann, sehen wir an Mordechai:
Mordechai
spricht zwar nicht über Gott, so wie im ganzen Buch Esther Gott als Begriff
überhaupt nicht vorkommt. Und doch gibt
Mordechai Gott die Ehre. So richtig sichtbar wird das jetzt, wo es hart auf
hart kommt. Mordechai beugt sein Haupt nicht vor Haman. Diese Ehre steht einem
anderen zu. Und zwar ungeteilt.
„Höre Israel, der Herr ist unser
Gott. Der Herr allein.[3]“
Mutig leben: Keine Verbeugung also für Haman.
Und der reagiert beleidigt, steigert
sich immer weiter hinein in seine Wut und Empörung. Am Ende besorgt Haman sich
beim König gar die Lizenz zum Völkermord[4]. Nicht nur Mordechai,
sondern alle Jüdinnen und Juden im ganzen persischen Reich sollen getötet
werden.
Wenn wir
das hören, denken wir unweigerlich an die 6 Millionen Juden, die während der
Nazizeit in unserem Land umgebracht worden sind.
Die
Parallelen sind erschreckend, gerade dann, wenn wir uns anschauen, wie
bürokratisch und planmäßig Haman vorgehen. Er legt einen Termin fest, an dem sein
Vorhaben umgesetzt werden soll: Der 13. Tag des letzten Monats soll es sein. Die
Nachricht verbreitet sich in rasender Eile im ganzen Land.
Nur
Esther in ihrem goldenen Käfig, dem Frauenhaus des Schlosses, bekommt von
alledem nichts mit.
Mordechai
aber sorgt dafür, dass sie es schließlich doch erfährt: Er kleidet sich
buchstäblich in Sack und Asche und veranstaltet eine Art Demo vor dem
Palast.
Esthers
Dienerschaft, ihre Kammerzofen und Eunuchen, berichten von diesem aufsehenerregenden
Auftritt.
Erschrocken
muss Esther erkennen, wer da protestiert. Rasch lässt sie Mordechai saubere
Kleidung bringen. Aber die Diener kehren unverrichteter Dinge zurück.
Mordechai
will sich nicht beruhigen, sich nicht unsichtbar machen lassen.
Mutig leben. Für Mordechai heißt das nicht
nur, sich dem Unrecht widersetzen, selber nicht mitmachen. Nein, er geht noch
einen Schritt weiter: Mordechai macht das Unrecht öffentlich. Alle sollen
mitbekommen: Das hier schreit zum Himmel! So geht das nicht! Hier muss etwas
passieren!
Bis
heute ist das nötig. Wir wissen es ganz genau:
Es gibt
Situationen, da muss einer rufen: Halt, Stopp! Seht ihr nicht, was hier läuft?
Die Pharmaindustrie verdient sich eine goldene Nase und während dessen arbeiten
sich Schwestern und Pflegerden Rücken krumm und die Seele wund. Weil wir es zugelassen
haben, das selbst am Krankenbett der Profit die Regeln bestimmt!
Es gibt
Situationen, da muss einer rufen: Halt, Stopp! Denkt doch mal nach, womit ihr
da Euren Einkaufswagen füllt! Ihr wisst doch genau, dass diese Schnäppchenpreise nur
möglich sind, weil Tiere gequält und Menschen der gerechte Lohn vorenthalten
wird!
Es gibt
Situationen, in denen darf man sich nicht beruhigen lassen durch ein
Wahlkampfversprechen, durch Werbetricks oder, wie bei Mordechai, durch irgendwelche
persönlichen Vorteile wie frische Kleidung[5].
Mordechai
jedoch lässt sich auf die Beschwichtigungsversuche nicht ein. Er bleibt
beharrlich und so kommt schließlich ein echtes Gespräch mit Esther zustande. Auch
wenn das nur über einen Mittelsmann möglich ist.
Mordechai
klärt Esther auf über die Lage. Sie weiß ja nicht, was draußen los ist – im
wirklichen Leben. Mordechai fleht sie an: „Du
musst mit dem König reden und für das Leben der Juden im Reich eintreten. Das
musst Du tun. Das kannst nur Du“.
Wir verstehen,
das Esther erschrickt. „Wer“, denkt
sie,“ ich?[6]
Ich soll was tun?"
Für sie
sind das ja völlig neue Informationen. Und vor allem: Das, was Mordechai da von
ihr verlangt, ist schlichtweg unmöglich! Wer wüsste das besser als Esther
selbst?!
Es wäre geradezu
selbstmörderisch, einfach so in den Thronsaal zu gehen und den König zur Rede
zu stellen.
Und auf
eine zufällige Begegnung, auch das weiß Esther genau, auf eine passende Gelegenheit
kann sie nicht hoffen: Immerhin ist es schon 30 Tage her, dass Xerxes sie zuletzt
hat rufen lassen. Wer weiß: Vielleicht ist ihr Stern längst im Sinken
begriffen. Eine Audienz beim König: Nein, das ist unmöglich!
Und so
lässt Esther Mordechai antworten:
„Es geht
nicht. Es tut mir leid, aber ich kann nicht. Es würde meinen sicheren Tod
bedeuten!“
Was soll
Mordechai darauf antworten? Wie würden wir an seiner Stelle reagieren?
„Mensch, Esther, Du musst das versuchen!",
vielleicht würden wir das sagen. "Du musst einfach, denn jetzt kommt es
allein auf Dich an, Du bist die einzige Hoffnung für unsere Leute da draußen! Alles
ist aus, wenn Du jetzt nichts unternimmst“.
Aber
genau das tut Mordechai nicht. Hören wir, wie es nach dem Originalwortlaut des
Estherbuches weiter geht:
„Und als
Esters Worte Mordechai gesagt wurden, ließ Mordechai Ester antworten: Denke
nicht, dass du dein Leben errettest, weil du im Palast des Königs bist, du
allein von allen Juden. Denn wenn du zu dieser Zeit schweigen wirst, so wird
eine Hilfe und Errettung von einem andern Ort her den Juden erstehen, du aber
und deines Vaters Haus, ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob du nicht gerade
um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist? Ester ließ Mordechai
antworten: So geh hin und versammle alle Juden, die in Susa sind, und fastet
für mich, dass ihr nicht esst und trinkt drei Tage lang, weder Tag noch Nacht.
Auch ich und meine Dienerinnen wollen so fasten. Und dann will ich zum König
hineingehen entgegen dem Gesetz. Komme ich um, so komme ich um“ (Ester
4,12-16).
Dies ist
der entscheidende Wendepunkt der Geschichte. „Esther“, sagt Mordechai: „Wenn Du nicht aufstehst und den Mund
aufmachst, dann wird die Rettung von woanders her kommen“.
Mordechai
rechnet fest damit, dass Gottes Macht und Gerechtigkeit weiter reichen, als wir
Menschen überblicken können. Dass Gott am
Ende zu seinem Ziel kommen wird, ganz gleich, wie wir uns entscheiden. Und
darum sagt er zu seiner Nichte:
„Bedenke, Esther, wenn Du jetzt
nicht mutig bist, ist Dein ganzer Weg bis hierher vergeblich gewesen. Und Dir
selbst wird alles, was Du erreicht
hast, nichts nützen. Am Ende geht es uns allen an den Kragen, mir und Dir, der ganzen Familie.
Aber, Esther, vielleicht sollte alles so kommen, vielleicht ist alles was in deinem
Leben passiert ist, angefangen beim Verlust Deiner Eltern, die ganze Sache mit
dem Casting, dass Du jetzt Königin bist, vielleicht ist alles genau auf diesen
Punkt jetzt zugelaufen."
Winston
Churchill soll einmal gesagt haben: „Für
jeden kommt die Stunde, in der ihm auf die Schulter getippt wird und er bekommt
die Chance, etwas Besonderes zu tun, das nur er tun kann. Wenn er es dann tut,
werden das die besten Momente seines Lebens.“
Esther
jedenfalls entscheidet sich. Sie verlässt ihre Komfortzone, sie überschreitet die Grenzen
dessen, was sie selbst für möglich gehalten hat:
Sie
sagt: "Ja, ich wage es. Aber ich werde es nicht aus eigener Kraft
schaffen. Darum fastet und betet mit mir.
Und wenn ich umkomme, dann komme ich um".
Und ohne
es zu wissen, befolgt sie damit das, was Jesus viele Jahrhunderte später einmal
sagen und wofür er mit seiner ganzen Existenz einstehen wird: Jetzt in der
Passionszeit, steht es uns in besonderer Weise vor Augen:
"Wer sein Leben festhält,
der wird es verlieren. Und wer es um meinetwillen verliert, der wird es
erhalten zum ewigen Leben."[7].
Esther
ist bereit, alles in die Waagschale zu werfen. Sie ist bereit, alles zu
verlieren oder alles zu gewinnen. Wie es ausgehen wird, ist ungewiss. Mutig leben. Esther wagt es.
Der
Ausgang der Geschichte ist rasch zu Ende erzählt: Esther macht sich auf den Weg
zum Thronsaal. Und entgegen aller bösen Vorahnung reagiert Xerxes ganz
entspannt. Er lässt sich von Esther zum Abendessen einladen und hört sich in
Ruhe an, was Esther vorzubringen hat. Am Ende unternimmt er alles, um Hamans
Vorhaben zu stoppen. Praktisch in letzter Sekunde gelingt es, die Todeskommandos
zurück zu rufen. Und Haman? Der endet schließlich genau an dem Galgen, den er selbst
schon für Mordechai hatte aufrichten lassen. Mordechai übernimmt Hamans Amt im
Palast.
Und als
wäre das nicht genug, heißt es sogar noch, dass viele Menschen im ganzen Land
sich dem Gott Israels zuwenden, als sie von alledem erfahren.
Bis
heute feiern die Juden am Purimfest die Erinnerung an Esther und Mordechai. Es
ist ein ausgelassenes Fest, beinahe wie Karneval. In der Synagoge wird das
gesamte Buch Esther gelesen und immer wenn Hamans Name genannt wird,
veranstalten alle einen Höllenlärm mit Rasseln und irgendwelchen anderen Kram. Und die Männer zechen, so heißt es, bis dass sie nicht mehr in der Lage wären, Haman und Mordechai voneinander zu unterscheiden.
Das
Purimfest ist ein Fest an dem die Grenzüberschreitung und der Mut gefeiert werden. Und die Freude darüber,
dass Gott der Herr ist, der am Ende aller Gewalt und allem Unrecht ein Ende
bereiten wird.
Mutig leben: Esther war keine geborene Heldin.
Und Mordechai war einer, der sich eigentlich für einen angepassten Lebensstil
entschieden hatte.
Aber
beiden waren bereit, zu tun, was dran war, als Gott ihnen auf die Schulter
tippte.
Und wer weiß, vielleicht wartet in der nächsten Woche ja schon ein Gelegenheit auf uns, wo das so ist?
Mutig leben: Wir schaffen das nicht aus
eigener Kraft, so hat Esther es ja auch empfunden und sich gewünscht, dass
andere sie unterstützen durch fasten und beten.
Darum
lasst uns auch füreinander beten und einander bestehen. Damit Gott uns den
Mut schenkt, den wir brauchen, um unsere Komfortzone
zu verlassen und den Sprung zu wagen.
Und lasst
uns Gott darum bitten, dass wir das zu schätzen wissen, wenn er uns würdigt,
ein Teil zu sein von seiner großen Geschichte.
Und der Friede
Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in
Jesus Christus, unserem Herrn. AMEN.
[4] Siehe: http://www.greifbar.net/uploads/media/GreifBar_plus_Est_4_12-16_01.pdf,
Seite 5, Zugriff am 12.03.14, 17 Uhr
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