Sonntag, 23. März 2014

Mutig leben: Esthers Geschichte

Predigt beim Literarischen Gottesdienst am Sonntag Oculi, 23. März 2014

Trinitatiskirche Wilnsdorf-Niederdielfen

Text: Das Buch Esther (v.a. Esther 4, 12  16)

 

Die Mitwirkenden beim Literarischen Gottesdienst (von links): Ralf Werthenbach (Lektor), Gisela Stein (Textauswahl, Organisation), Heike Dreisbach (Predigt), Anne Hild (Organisation, Catering), Jürg Schmied (Reziator, Theaterpädagoge), Sebastian Heupel (Piano)

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und von Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.



Liebe Gemeinde,

mutig leben. Ja, klar, das möchte ich auch.

Aber: Ein Fallschirmsprung? Freiwillig, so wie in der Geschichte vorhin?

Also, was mich betrifft: Nein, niemals! Mir wird, ehrlich gesagt, schon blümerant zu Mute, wenn ich beim Abstauben der Bücherregale die oberste Sprosse der Haushaltsleiter erklimmen muss!

Da scheide ich als Kandidatin für einen Fallschirmsprung wohl von vorne hereinaus aus. Allein die Vorstellung lässt mich erschauern:

Ein Flugzeug besteigen, damit sich irgendwo hoch oben über den Wolke, eine Luke öffnet. Ins Bodenlose fallen, lediglich abgebremst durch ein bisschen Stoff.  Zusammengefaltet von irgendjemandem, der hoffentlich etwa von der Sache versteht.

Nein, beim besten Willen nicht! Das ist nichts für mich!

Andererseits: Die eigene Komfortzone verlassen. Grenzen überwinden, etwas wagen, was ich noch nie gewagt habe. Das hat auch etwas Faszinierendes.

Mutig leben: Als Predigttext für heute haben wir eine Mutgeschichte aus dem AltenTestament ausgewählt.
Die Geschichte von Esther. Nachzulesen in dem gleichnamigen eigenständigen Buch, zu finden unmittelbar vor Hiob und den Psalmen. Also beinahe in der Mitte der Bibel (zeigen).

Schauplatz dieser Geschichte ist der persische Königshof, die Festung Susa, ein märchenhafter Ort, wie aus Tausendundeiner Nacht.

Damals, also vor ungefähr  2500 Jahren residierte dort König Xerxes. Sein Territorium reichte von Libyen bis an die indische Grenze und umfasste insgesamt 127 Provinzen[1]. Xerxes war Oberbefehlshaber einer riesigen Armee und führte grausame Kriege. Das heißt, genau genommen muss es eigentlich heißen: Xerxes ließ grausame Kriege führen.

Historiker gehen davon aus, dass er selbst nie selbst ein Schwert zur Hand genommen hat. Warum auch? Xerxes wusste seine Zeit vergnüglicher herumzubekommen, denn er liebte exzentrische Partys.

Grausam sein, dafür muss ein König wie er doch kein Schlachtfeld betreten!

Betrat zum Beispiel jemand unaufgefordert seinen Thronsaal, pflegte Xerxes zu seinem goldenen Zepter zu greifen. Zeigte er damit auf die eintretende Person, war alles in Ordnung. Wenn nicht, war der  betreffende Menschen des Todes.

Esthers Geschichte beginnt damit, dass Xerxes mal wieder eine Party gibt. 180 Tage lang wird geschlemmt und (auf Deutsch gesagt) gesoffen. Aber irgendwann ist die Luft raus. Den Gästen und vor allem dem Gastgeber wird es langweilig.

Xerxes lässt nach der Königin rufen. Vasthi heißt sie und sie ist eine Frau von außerordentlicher Schönheit. Ihr Erscheinen könnte der Veranstaltung noch einmal einen gewissen Kick geben.

Aber Vasthi zeigt ihrem Ehemann die kalte Schulter. Sie hat offenbar keine Lust, sich herauszuputzen, keine Lust darauf sich begaffen zu lassen. Und so lässt sie Xerxes mitteilen: Nein, ich komme nicht.

Mutig leben! In Vasthis Fall heißt das: Sie verweigert sich. Schaltet auf stur. Vielleicht hat sie es satt, Xerxes Schmuckstück zu sein: Hervor geholt nach Bedarf. Eine menschliche Requisite auf einer prachtvollen Bühne. Ein Mittel zum Zweck.

Nein, sie wird das nicht länger mitmachen. Vasthis  Selbstachtung ist stärker als die drohenden Konsequenzen. Denn die sind unausweichlich:

Vasthi muss gehen. Die Berater des Königs sind sich einig:

"Wo kämen wir denn da hin?", so empören sie sich, " Wenn sich das rumspricht, fangen womöglich überall im Land die Frauen an, ihren Männern den Gehorsam zu verweigern! Und wo das hinführt, darüber wollen wir lieber gar nicht weiter nachdenken!".

Ganz klar, der König wird sich scheiden lassen müssen. Frauen hat er ja sowieso genug. Einen ganzen Harem voll.  

Xerxes selbst sieht das offenbar anders. Ein König, der etwas auf sich hält, braucht schließlich eine präsentable Königin! Und schon hat der Beraterstab ein neues Projekt vor der Brust, das Projekt "Neue Königin."

Das Konzept, das Xerxes schließlich vorgelegt wird, erinnert an ein aktuelles Fernsehformat: Am Königshof soll es nämlich ungefähr so zugehen wie beim „Bachelor“ auf RTL.

Das Casting am persischen Hof sieht so aus: Zuerst wird in jeder Provinz eine Art Schönheitskönigin ermittelt. Diese handverlesenen 127 jungen Frauen werden ins Frauenhaus des Palastes eingeladen. Dort sollen sie dem König zugeführt werden. Eine nach der anderen.

Mag Xerxes selbst in aller Ruhe und in jeder Hinsicht ausprobieren, welche am ehesten seinen Vorstellungen entspricht!

Bevor es soweit ist, müssen alle Mädchen jedoch zunächst  ein ausgeklügeltes Beauty-Programm durchlaufen:

Ein ganzes Jahr ist dafür vorgesehen. Für die jungen Frauen bedeutet das: Ein Jahr lang nichts als Ölmassagen, Cremepackungen, Aromatherapie und was sonst nicht noch alles. Jede Menge Wellness also. Hört sich vielleicht erst mal ganz nett an, dürfte aber auf die Dauer eher nervtötend sein. Und wie erniedrigend die ganze Angelegenheit im Grunde ist, scheint niemanden zu interessieren. Aber das spielt ja bei unseren heutigen Casting-Shows ganz offensichtlich auch keine Rolle.

Wie auch immer: Im Palast in Susa gewinnt am Ende ein Mädchen namens Esther. Das heißt, eigentlich heißt sie Hadassa, aber das ist ihr jüdischer Name. Den soll sie im Palast lieber nicht verwenden, hat Mordechai, ihr Cousin, ihr geraten. Er muss es schließlich wissen, denn er arbeitet an der Pforte des Palastes und kennt sich aus.

Mordechai ist für Esther mehr als ein Cousin. Im Grund ist er ihr Pflegevater. Weil er sich um Esther gekümmert hat nach dem frühen Tod ihrer Eltern.  

Für die persische Regenbogenpresse böte sich nun also eine schöne Schlagzeile an: Waisenkind mit Migrationshintergrund wird Königin!

Die Geschichte könnte damit zu Ende sein. Frei nach dem Motto:  „und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute“:

Aber Esthers Geschichte ist kein Märchen, sondern sie entwickelt sich unversehens zum Albtraum.

Verantwortlich dafür ist Haman. Der oberste Hofbeamte. Ein Mann, der für Xerxes genauso wichtig wie Kanzleramtsminister Altmeier für Angela Merkel.
Nun ist Haman, ganz offen gesagt, ein Ekelpaket.

Eine Art Anerkennungsjunkie, einer der in einem fort Bestätigung braucht. Ein Ichling sondergleichen. Hinzu kommt, dass Haman mindestens so grausam ist wie sein Chef.

Haman erwirkt, dass alle, die ihm begegnen, sich vor ihm verneigen müssen, mit ganz großer Geste, so als sei er ein Gott.

Alle am Hof fügen sich. Alle, bis auf Mordechai. Für ihn kommt das offenbar überhaupt nicht in Frage, denn Mordechai ist Jude. Mag er noch so integriert sein in die persische Gesellschaft: Damit ist eine Grenze erreicht.

„Höre Israel, der Herr ist unser Gott. Der Herr allein.[2]

Hier in Persien, in der Verbannung, weit weg von zuhause, ist dieses alte Glaubensbekenntnis vielen Juden so wichtig geworden wie nie zuvor.

Die meisten halten es wie Mordechai: Sie haben sich angepasst, haben vielleicht sogar Karriere gemacht. Sie fallen gar nicht mehr groß auf unter den Einheimischen.

Rein äußerlich betrachtet, könnte man meinen: Der jüdische Glaube sei bedeutungslos geworden: Das gelobte Land ist für die Juden unerreichbar und damit auch Jerusalem, die heilige Stadt. Es gibt keinen König mehr, keinen Tempel, keine Opfergottesdienste.  
Und doch ist in den Jahren der Verbannung etwas entscheidendes geschehen:  Der Glaube an Jahwe, den unsichbaren Schöpfer des Himmel und der Erde, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, dieser Glaube hat endlich Wurzeln geschlagen in den Köpfen und in den Herzen.

Der Glaube der aus Israel Vertriebenen ist unabhängig geworden von heiligen Orten und spektakulären Ritualen.

Der Anker, der dieser veränderten Art zu Glauben Festigkeit verleiht, ist das Wort Gottes. Nachzulesen für jeden, der sich auf den Umgang mit einer Schriftrolle versteht.

Die Gebote, die Psalmen, die Schriften der Propheten. Hier in der Fremde haben die Juden ihren Glauben im wahrsten Sinne des Wortes neu durchbuchstabiert.

Was das bewirken kann, sehen wir an Mordechai:

Mordechai spricht zwar nicht über Gott, so wie im ganzen Buch Esther Gott als Begriff überhaupt nicht vorkommt.  Und doch gibt Mordechai Gott die Ehre. So richtig sichtbar wird das jetzt, wo es hart auf hart kommt. Mordechai beugt sein Haupt nicht vor Haman. Diese Ehre steht einem anderen zu. Und zwar ungeteilt.

„Höre Israel, der Herr ist unser Gott. Der Herr allein.[3]

Mutig leben: Keine Verbeugung also für Haman. Und der reagiert  beleidigt, steigert sich immer weiter hinein in seine Wut und Empörung. Am Ende besorgt Haman sich beim König gar die Lizenz zum Völkermord[4]. Nicht nur Mordechai, sondern alle Jüdinnen und Juden im ganzen persischen Reich sollen getötet werden.

Wenn wir das hören, denken wir unweigerlich an die 6 Millionen Juden, die während der Nazizeit in unserem Land umgebracht worden sind.

Die Parallelen sind erschreckend, gerade dann, wenn wir uns anschauen, wie bürokratisch und planmäßig Haman vorgehen. Er legt einen Termin fest, an dem sein Vorhaben umgesetzt werden soll: Der 13. Tag des letzten Monats soll es sein. Die Nachricht verbreitet sich in rasender Eile im ganzen Land.

Nur Esther in ihrem goldenen Käfig, dem Frauenhaus des Schlosses, bekommt von alledem nichts mit.

Mordechai aber sorgt dafür, dass sie es schließlich doch erfährt: Er kleidet sich buchstäblich in Sack und Asche und veranstaltet eine Art Demo vor dem Palast.

Esthers Dienerschaft, ihre Kammerzofen und Eunuchen, berichten von diesem aufsehenerregenden Auftritt.
Erschrocken muss Esther erkennen, wer da protestiert. Rasch lässt sie Mordechai saubere Kleidung bringen. Aber die Diener kehren unverrichteter Dinge zurück.

Mordechai will sich nicht beruhigen, sich nicht unsichtbar machen lassen.

Mutig leben. Für Mordechai heißt das nicht nur, sich dem Unrecht widersetzen, selber nicht mitmachen. Nein, er geht noch einen Schritt weiter: Mordechai macht das Unrecht öffentlich. Alle sollen mitbekommen: Das hier schreit zum Himmel! So geht das nicht! Hier muss etwas passieren!

Bis heute ist das nötig. Wir wissen es ganz genau:

Es gibt Situationen, da muss einer rufen: Halt, Stopp! Seht ihr nicht, was hier läuft? Die Pharmaindustrie verdient sich eine goldene Nase und während dessen arbeiten sich Schwestern und Pflegerden Rücken krumm und die Seele wund. Weil wir es zugelassen haben, das selbst am Krankenbett der Profit die Regeln bestimmt!   

Es gibt Situationen, da muss einer rufen: Halt, Stopp! Denkt doch mal nach, womit ihr da Euren Einkaufswagen füllt! Ihr wisst doch genau, dass diese Schnäppchenpreise nur möglich sind, weil Tiere gequält und Menschen der gerechte Lohn vorenthalten wird!

Es gibt Situationen, in denen darf man sich nicht beruhigen lassen durch ein Wahlkampfversprechen, durch Werbetricks oder, wie bei Mordechai, durch irgendwelche persönlichen Vorteile wie frische Kleidung[5].

Mordechai jedoch lässt sich auf die Beschwichtigungsversuche nicht ein. Er bleibt beharrlich und so kommt schließlich ein echtes Gespräch mit Esther zustande. Auch wenn das nur über einen Mittelsmann möglich ist.

Mordechai klärt Esther auf über die Lage. Sie weiß ja nicht, was draußen los ist – im wirklichen Leben. Mordechai fleht sie an: „Du musst mit dem König reden und für das Leben der Juden im Reich eintreten. Das musst Du tun. Das kannst nur Du“.

Wir verstehen, das Esther erschrickt. „Wer“, denkt sie,“ ich?[6] Ich soll was tun?"

Für sie sind das ja völlig neue Informationen. Und vor allem: Das, was Mordechai da von ihr verlangt, ist schlichtweg unmöglich! Wer wüsste das besser als Esther selbst?!

Es wäre geradezu selbstmörderisch, einfach so in den Thronsaal zu gehen und den König zur Rede zu stellen.
Und auf eine zufällige Begegnung, auch das weiß Esther genau, auf eine passende Gelegenheit kann sie nicht hoffen: Immerhin ist es schon 30 Tage her, dass Xerxes sie zuletzt hat rufen lassen. Wer weiß: Vielleicht ist ihr Stern längst im Sinken begriffen. Eine Audienz beim König: Nein, das ist unmöglich!  

Und so lässt Esther Mordechai antworten:
„Es geht nicht. Es tut mir leid, aber ich kann nicht. Es würde meinen sicheren Tod bedeuten!“

Was soll Mordechai darauf antworten? Wie würden wir an seiner Stelle reagieren?

Mensch, Esther, Du musst das versuchen!", vielleicht würden wir das sagen. "Du musst einfach, denn jetzt kommt es allein auf Dich an, Du bist die einzige Hoffnung für unsere Leute da draußen! Alles ist aus, wenn Du jetzt nichts unternimmst“.

Aber genau das tut Mordechai nicht. Hören wir, wie es nach dem Originalwortlaut des Estherbuches weiter geht: 

 „Und als Esters Worte Mordechai gesagt wurden, ließ Mordechai Ester antworten: Denke nicht, dass du dein Leben errettest, weil du im Palast des Königs bist, du allein von allen Juden. Denn wenn du zu dieser Zeit schweigen wirst, so wird eine Hilfe und Errettung von einem andern Ort her den Juden erstehen, du aber und deines Vaters Haus, ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist? Ester ließ Mordechai antworten: So geh hin und versammle alle Juden, die in Susa sind, und fastet für mich, dass ihr nicht esst und trinkt drei Tage lang, weder Tag noch Nacht. Auch ich und meine Dienerinnen wollen so fasten. Und dann will ich zum König hineingehen entgegen dem Gesetz. Komme ich um, so komme ich um“ (Ester 4,12-16).

Dies ist der entscheidende Wendepunkt der Geschichte. „Esther“, sagt Mordechai: „Wenn Du nicht aufstehst und den Mund aufmachst, dann wird die Rettung von woanders her kommen“.

Mordechai rechnet fest damit, dass Gottes Macht und Gerechtigkeit weiter reichen, als wir Menschen überblicken  können. Dass Gott am Ende zu seinem Ziel kommen wird, ganz gleich, wie wir uns entscheiden. Und darum sagt er zu seiner Nichte:

„Bedenke, Esther, wenn Du jetzt nicht mutig bist, ist Dein ganzer Weg bis hierher vergeblich gewesen. Und Dir selbst wird alles, was Du erreicht hast, nichts nützen. Am Ende geht es uns allen an den Kragen, mir und Dir, der ganzen Familie.

Aber, Esther, vielleicht sollte alles so kommen, vielleicht ist alles was in deinem Leben passiert ist, angefangen beim Verlust Deiner Eltern, die ganze Sache mit dem Casting, dass Du jetzt Königin bist, vielleicht ist alles genau auf diesen Punkt jetzt zugelaufen."

Winston Churchill soll einmal gesagt haben:  „Für jeden kommt die Stunde, in der ihm auf die Schulter getippt wird und er bekommt die Chance, etwas Besonderes zu tun, das nur er tun kann. Wenn er es dann tut, werden das die besten Momente seines Lebens.“

Esther jedenfalls entscheidet sich. Sie verlässt ihre Komfortzone, sie überschreitet die Grenzen dessen, was sie selbst für möglich gehalten hat:

Sie sagt: "Ja, ich wage es. Aber ich werde es nicht aus eigener Kraft schaffen. Darum fastet und betet mit mir.  Und wenn ich umkomme, dann komme ich um".

Und ohne es zu wissen, befolgt sie damit das, was Jesus viele Jahrhunderte später einmal sagen und wofür er mit seiner ganzen Existenz einstehen wird: Jetzt in der Passionszeit, steht es uns in besonderer Weise vor Augen:

"Wer sein Leben festhält, der wird es verlieren. Und wer es um meinetwillen verliert, der wird es erhalten zum ewigen Leben."[7].

Esther ist bereit, alles in die Waagschale zu werfen. Sie ist bereit, alles zu verlieren oder alles zu gewinnen. Wie es ausgehen wird, ist ungewiss. Mutig leben. Esther wagt es.

Der Ausgang der Geschichte ist rasch zu Ende erzählt: Esther macht sich auf den Weg zum Thronsaal. Und entgegen aller bösen Vorahnung reagiert Xerxes ganz entspannt. Er lässt sich von Esther zum Abendessen einladen und hört sich in Ruhe an, was Esther vorzubringen hat. Am Ende unternimmt er alles, um Hamans Vorhaben zu stoppen. Praktisch in letzter Sekunde gelingt es, die Todeskommandos zurück zu rufen. Und Haman? Der endet schließlich genau an dem Galgen, den er selbst schon für Mordechai hatte aufrichten lassen. Mordechai übernimmt Hamans Amt im Palast.

Und als wäre das nicht genug, heißt es sogar noch, dass viele Menschen im ganzen Land sich dem Gott Israels zuwenden, als sie von alledem erfahren.

Bis heute feiern die Juden am Purimfest die Erinnerung an Esther und Mordechai. Es ist ein ausgelassenes Fest, beinahe wie Karneval. In der Synagoge wird das gesamte Buch Esther gelesen und immer wenn Hamans Name genannt wird, veranstalten alle einen Höllenlärm mit Rasseln und irgendwelchen anderen Kram. Und die Männer zechen, so heißt es, bis dass sie nicht mehr in der Lage wären, Haman und Mordechai voneinander zu unterscheiden.

Das Purimfest ist ein Fest an dem die Grenzüberschreitung und der Mut gefeiert werden. Und die Freude darüber, dass Gott der Herr ist, der am Ende aller Gewalt und allem Unrecht ein Ende bereiten wird.  

Mutig leben: Esther war keine geborene Heldin. Und Mordechai war einer, der sich eigentlich für einen angepassten Lebensstil entschieden hatte.

Aber beiden waren bereit, zu tun, was dran war, als Gott ihnen auf die Schulter tippte.

Vielleicht haben wir das selbst schon einmal erlebt, dass Gott uns ein Zeichen gegeben hat, dass wir jetzt die Chance haben, etwas ganz besonderes zu tun?

Und wer weiß, vielleicht wartet in der nächsten Woche ja schon ein Gelegenheit auf uns, wo das so ist?

Mutig leben: Wir schaffen das nicht aus eigener Kraft, so hat Esther es ja auch empfunden und sich gewünscht, dass andere sie unterstützen durch fasten und beten.

Darum lasst uns auch füreinander beten und einander bestehen. Damit Gott uns den 
Mut schenkt, den wir brauchen, um unsere Komfortzone zu verlassen und den Sprung zu wagen.

Und lasst uns Gott darum bitten, dass wir das zu schätzen wissen, wenn er uns würdigt, ein Teil zu sein von seiner großen Geschichte.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. AMEN.




[1] Esther 8, 9
[2] 5. Mose 6, 4
[3] 5. Mose 6, 4
[5] Siehe: ebenda, Seite 5, Zugriff am 12.03.14, 17 Uhr.
[6] Siehe: ebenda
[7] Johannes 12, 24


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