Predigt am Sonntag Oculi 2023 (12. März 2023) in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Siegen-Weststraße
Meine Augen sehen stets auf den HERRN …[1]
Von Gott allein alles erhoffen, Rettung und Hilfe, Erfüllung und Glück. Das schien so einfach zu sein, damals, als Jesus sie rief.
Umstandslos haben sie alles zurückgelassen.
Fischernetze, Steuerlisten, ungespültes Geschirr und schmutzige Wäsche…
Barfuß, ohne Rucksack, ohne Geldbörse sind sie losgezogen. Haben vom Reich Gottes geträumt und geschwärmt. Ist das nicht großartig?! Gott kommt und wir sind dabei!
Kranke sahen sie gesundwerden und Dämonen das Weite suchen.
Sie hörten Jesus erzählen. Immer wieder erzählte er, wenn sie unter sich waren oder vor riesigen Menschenmengen. Jesus erzählte, von Gott, der der das Verlorene sucht, voller Liebe, und der nicht eher Ruhe gibt, bis er es endlich findet.
Ja, dort oben in Galiläa im messianischen Frühling haben sie Gott am Werk gesehen. Sie haben seine Stimme gehört und seine Güte geschmeckt. Auf der grünen Wiese, als wundersamer Weise alle satt wurden, wirklich alle.
Aber jetzt ist alles anders. Jetzt sind sie hier in dieser mondhellen Nacht, in diesem Garten, außerhalb von Jerusalem. Wo gerade Hochbetrieb herrscht, so kurz vor dem Fest.
Die alten knorrigen Ölbäume werfen gespenstische Schatten. Aber sie, sie sind einfach nur müde, abgrundtief müde. Die Augen fallen ihnen zu, wie von selbst. Weil das niemand aushalten kann auf Dauer, diese bedrückte, angespannte Stimmung. Auch vorhin wieder, beim Abendessen. Warum erzählt Jesus auf einmal derart düstere Geschichten vom nahen Ende? Wo soll das alles noch hinführen? Gott jedenfalls scheint weit weg zu sein. Verborgen in tiefster Dunkelheit.
Ich lese aus dem Lukasevangelium, aus dem 22. Kapitel die Verse 45 bis 48:
45 Und er (Jesus) stand auf vom Gebet, kam zu den Jüngern und fand sie eingeschlafen vor Traurigkeit.
46 Und er sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!
47 Während er noch redete, siehe, ⟨da kam⟩ eine Volksmenge, und der, welcher Judas hieß, einer von den Zwölfen, ging vor ihnen her und nahte sich Jesus, um ihn zu küssen.
48 Jesus aber sprach zu ihm: Judas, überlieferst du den Sohn des Menschen mit einem Kuss?
Judas
Im sogenannten christlichen Abendland ist sein Name zum Schimpfwort geworden. Judas, der Verräter. Judas, der Denunziant.
Dabei ist „Judas“ einfach nur die griechische Form von „Jehuda“, einem nach wie vor gängigen und ehrenwerten hebräischen Namen. Einer der zwölf Söhne Jakobs hieß so, außerdem ein Bruder von Jesus. Unter den zwölf Jüngern gab es gleich zwei „Judasse“. Einmal Judas, der Sohn des Jakobus und dann eben Judas Iskariot. Iskariot ist möglicherweise ein Hinweis auf Judas Heimatort. Es ist aber auch spekuliert worden, ob dies darauf deutet, dass Judas zuvor zu den „Sikkariern“ gehört haben könnte, den „Dolchträgern“ - die immer wieder Terroranschläge verübt haben auf die römischen Besatzer[2].
Sicher ist: Im Laufe der Kirchengeschichte, recht schnell eigentlich, verwandelte sich der Name „Judas“ in etwas durch und durch Negatives. Judas „hat Jesus verraten – und verkauft. Für 30 Silberlinge. „Geldgeil“ sei er gewesen[3]. Und dann kommt offen oder verhohlen hinterher: „typisch Jude“. Jude – Judas klingt (doch) schon so gleich[4]“.
Wenn Judas einen anderen Vornamen gehabt hätte, „Petrus“ zum Beispiel oder „Johannes“, wäre es dann den „Antisemiten schwerer gefallen, seine Geschichte gegen alles Jüdische zu missbrauchen“?[5]
Jedenfalls: Immer dämonischer verzerrte sich das Bild, dass die Kirche von Judas gezeichnet hat. Es schmerzt, sich das eingestehen zu müssen. Aber es ist leider eindeutig so: was im christlichen Kontext über Judas gelehrt, wie über ihn gepredigt und wie er dargestellt wurde in der Kunst - all dies hat im Laufe der Jahrhunderte den Antisemitismus angeheizt, hat gerade in der Passionszeit, um Karfreitag herum immer wieder zu den allerschlimmsten Pogromen geführt. Und schließlich auch den Judenhass der Nazis legitimiert[6].
Als mir vor einigen Jahren klar wurde, wie sehr unsere christliche Bibelauslegung durchsetzt ist mit antisemitisch gefärbten Vorurteilen, habe ich beschlossen: Ich will nicht mehr mitmachen bei diesem leichtfertigen Aufwärmen antijüdischer Klischees, die das Evangelium über zwei Jahrtausende hinweg so übel vergiftet und verdunkelt haben.
Gleichwohl: Die Frage lässt sich nicht so leicht vom Tisch wischen: Was das, was Judas getan hat, trotz alledem nicht doch wirklich abgrundtief böse und gemein[7]? Den vertrauten Freund und Lehrer denunzieren - und das vereinbarte Erkennungszeichen - ist ausgerechnet ein Kuss?
Die Evangelien, gerade auch Lukas, bieten im Grunde ja nur wenig belastbare Informationen über Judas und seine Tat. Und wer zwischen den Zeilen zu lesen versteht, ahnt, wie vieldeutig die ganze Angelegenheit ist.
Vielleicht war Judas überzeugt, so beschreibt es Amos Oz in seinem Roman „Judas“[8]: „In der Provinz, in irgendwelchen galiläischen Dörfern Wunder vollbringen, bringt nichts…“[9]. Vielleicht hat Judas Jesus sogar bedrängt: „Wenn Du die Welt wirklich retten (…), wenn du die Welt wirklich erlösen willst, musst du nach Jerusalem gehen (…)[10]. Und wenn sie Dich töten wollen während des Passahfestes? Na und? Das wäre doch sozusagen zur „Hauptsendezeit (…) wenn Hunderttausende Pilger die Straßen (…) füllen, Juden und Edomiter, Griechen und römische Soldaten und Pilger von allen Enden der Erde“… Wenn sie dich kreuzigen, werden es alle „sehen, wie du heil und unversehrt vom Kreuz steigst. Dann werden sie auf die Knie fallen und du wirst sagen, liebt einander, und damit beginnt das Himmelreich. Genau das musst du tun, du kannst es. Zögere nicht, glaub an dich. Hast du denn nicht Tote auferweckt? Bist du nicht übers Wasser gewandelt? Hast Du nicht Wasser in Wein verwandelt? Du wirst es ihnen zeigen. Hast Du nicht Sterbende gesundgemacht? Du wirst vom Kreuz steigen und die Welt wird gerettet werden. Das wird das ultimative Wunder sein: Danach wird die Welt keine Wunder mehr brauchen: Die Menschen werden einander lieben und das Himmelreich beginnt“[11].
„Und dann kamen sie nach Jerusalem“, fährt Amos Oz fort, „… dort angekommen war es wohl Judas ganzes Bestreben, den Lehrer aus Galiläa publikumswirksam kreuzigen zu lassen. Aber die Stadt quoll förmlich über vor solchen Predigern - wie es auch heute noch ist. Menschen, die im Besitz irgendwelcher göttlicher Botschaften sind, … Menschen, die genau wissen, wie die Welt erlöst werden kann… Niemandem wäre es eingefallen, solche Leute zu kreuzigen. Deshalb musste Judas seine Beziehungen zur Priesterschaft und zu den Römern bedienen, … er musste … ihnen die Augen öffnen: Nein, das ist nicht einfach einer von diesen Verrückten, … Der hier ist gefährlich für die römische Regierung, weil er ein Aufständischer ist. Der ist gefährlich für die Prediger, für die ganze Priesterschaft, weil er ein Anarchist ist…“ Und dann geschieht nicht das, was Judas erwartet hat. Jesus steigt nicht vom Kreuz. Gefoltert und gemartert hängt er dort, bäumt sich auf, ringt nach Luft, erleidet allergrößte Qualen, schreit am Ende gar „Mein Gott, mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Fassungslos muss Judas miterleben: Jesus stirbt. Er erkennt: „Er hat seinen Herrn getötet, … seinen Rabbi, … seinen besseren Bruder. Er hat das Licht seines Lebens getötet. Er hat seinen Gott getötet. Er hat den Menschen getötet, den er am meisten geliebt hat…indem er Zuviel verlangt hat. Indem er die sofortige Erlösung verlangt hat. Indem er das Kommen des Himmelreichs am nächsten Tag, in der nächsten Stunde, im nächsten Augenblick verlang hat. Und da geht er hin und erhängt sich. (…)
Judas hat den Fehler eines Fanatikers gemacht“, sagt Amos Oz. „Er wollte die Erlösung sofort, um jeden Preis. Er konnte nicht warten“[12].
Ob Amos Oz Recht hat?
Eine weitere, im Grunde für uns als Christinnen und Christen noch viel bedrängendere Frage wirft Walter Jens auf in seinem 1975 erschienenen Roman „Der Fall Judas“: Jens fragt danach, was gewesen wäre, „wenn Judas die Auslieferung Jesu nicht vorgenommen hätte, wenn Jesus nicht genau den Weg gegangen wäre, den er ging, weil Judas ihn auslieferte[13].
Wenn Jesus gekreuzigt wurde, nach Gottes Willen, zum Heil der Welt - darf dann der, der den Weg zum Kreuz freimachte (verteufelt werden)? Einer musste es doch tun![14]
Wer diesen Zusammenhang durchdenkt, wird in unlösbare Fragen verwickelt…
Wie so oft, wenn wir es mit der Bibel zu tun haben, kann viel davon abhängen, wie ein Wort übersetzt und verstanden wird.
Wenn es um Judas geht, dann kommt es entscheidend an auf das griechische Verb παραδιδώμι (paradidomi). Es kommt häufig vor im Neuen Testament, über einhundertmal. Es bedeutet „übergeben“ „überliefern“, „ausliefern“, auch „dahingeben“.
In Apostelgeschichte 6,14 etwa geht es etwa um die Gebote, die Mose überliefert hat.
Oder in Epheser 5,2, da heißt es: „Wandelt in Liebe, wie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Opfergabe“
Und in Römer 4, 25 schreibt Paulus, dass „Gott seinen Sohn für uns dahingegeben“ hat.
Jedes Mal handelt es sich um den gleichen Verbalstamm, eben um: παραδιδώμι (paradidomi). Niemand käme auf die Idee, zu übersetzen, Gott habe Jesus „für uns verraten“.
Aber wenn es um Judas geht, wird παραδιδώμι (paradidomi) in den meisten Bibelübersetzungen, bei Luther, in der Guten-Nachricht-Bibel, sogar in der neuen BasisBibel, stereotyp mit „verraten“ übersetzt. Das ist sachlich nicht total daneben, vom Zusammenhang her. Aber es hat doch, finde ich, ein Geschmäckle.
Was in jener Nacht geschah, in diesen entscheidenden Stunden und warum, das wird wohl hier auf der Erde für immer ein Geheimnis bleiben.
Uns bleibt wohl letztlich nur, diese Spannung auszuhalten. Und der Versuchung zu widerstehen, nach einen Sündenbock Ausschau zu halten, dem wir die Schuld in die Schuhe schieben können.
Aus (womöglich) guten Motiven das Falsche tun. Nicht warten können. Drängeln, andere bedrängen. Das kenne ich von mir nur allzu gut.
Es ist nicht leicht, mich meinem Anteil zu stellen. Nur beklommen kommt mir die bange Frage über die Lippen: „Herr, bin ich`s?“ [15]
Aus (womöglich) guten Motiven das Falsche tun. Damit ist Judas in jener Nacht nicht allein. Ich lese, was weiter geschah:
49 Als aber die, welche um ihn waren, sahen, was es werden würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? 50 Und einer von ihnen schlug den Knecht des Hohen Priesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. 51 Jesus aber antwortete und sprach: Lasst es soweit! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn. 52 Jesus aber sprach zu den Hohen Priestern und Hauptleuten des Tempels und Ältesten, die gegen ihn gekommen waren: Seid ihr ausgezogen wie gegen einen Räuber, mit Schwertern und Stöcken? 53 Als ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr die Hände nicht gegen mich ausgestreckt; aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.
Jesus hält stand. Er versucht nicht zu fliehen. Jesus bleibt. Er, der kurz zuvor noch bebend und zitternd, schwitzend und zagend gefleht und gebetet hat: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir weg.“[16] - er steht nun da, aufrecht und würdevoll im unruhig flackernden Schein der Fackeln und Laternen.
Eine Horde bewaffneter Männer umringt Jesus. Vermutlich sind es überwiegend Angehörige der Tempelwache.
Dröhnende Stiefel[17], Metall schlägt auf Metall, lautes Stimmengewirr. Eine bedrohliche Kulisse.
Aber bewaffnet sind nicht nur die, die Jesus verhaften wollen. Auch einer seiner Jünger zieht plötzlich ein Schwert. Wie kann das sein - die Jünger Jesu - bewaffnet?
Hat nicht Jesus gepredigt, dass den Sanftmütigen die Erde gehören soll[18]?
Einige Verse zuvor ist zu erfahren: Während sie zum letzten Mal zusammen zu Abend essen, fragt Jesus die Jünger nach ihren Erfahrungen damals in Galiläa, als er sie ausgesandt hatte. Ιmmer zwei und zwei, ohne Geld, ohne Vorräte, ohne jeden Komfort.
Ja, das war eine gute Zeit, erinnern sich die Jünger. Aber ab jetzt, gibt Jesus ihnen zu verstehen, ab jetzt beginnt für euch eine neue Zeit. Ab jetzt gilt: „…wer eine (Geld)börse hat, der nehme sie, ebenso eine Tasche und wer kein Schwert hat, der verkaufe seinen Mantel und kaufe sich eins“[19].
Der messianische Frühling ist zu Ende. Ab jetzt werden die Jünger wieder Vorsorge treffen und sich wappnen müssen gegen alle möglichen Gefahren. Und in einer Gesellschaft, in der es keine Handys gibt und keine Polizei, die man alarmieren kann, wenn Gefahr im Verzug ist, da bedeutet das eben auch: Sich und die Seinen im Ernstfall so gut es geht verteidigen können.
Diese Verse sind viel zu wenig bekannt. Sie können, glaube ich, hilfreich sein, bei unseren Diskussionen um unsere christliche Friedensethik und die Frage nach den Waffenlieferungen für die überfallene Ukraine.
„Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?“ fragen die Jünger. Und einer wartet die Antwort gar nicht erst ab, sondern schlägt gleich zu.
Jesus greift ein: „Lasst es genug sein“[20], sagt er.
Und dann tut Jesus das, was er schon so oft getan hat, gerade jetzt tut er es noch einmal.
Jesus heilt. Er heilt den, der sich gerade angeschickt hatte, ihn zu verhaften.
Und der nun blutüberströmt vor ihm steht. Die Hände Jesu, die so viele heilsam und heilend berührt haben, zum allerletzten Mal berühren sie nun heilend einen verletzten, seiner Würde beraubten Menschen.
Ein allerletztes Mal, bevor sie in Fesseln gelegt und bald darauf mit groben Nägeln durchstoßen werden…
Das Ohr des Tempelpolizisten ist wieder gesund. Seine Hörfähigkeit soll nicht geschmälert sein. Denn auch er, gerade Leute wie er, sie müssen sie doch zu hören bekommen, wenn es so weit ist, die Botschaft von Ostern, vom neuen Leben! Auch sie, gerade sie sollen es hören, das „Wort von der Versöhnung“[21].
Alle sollen es hören, auch Judas soll sie hören, diese heilsame, heilende, die zerrissene Gemeinschaft wiederherstellende Botschaft.
Jedoch - für Judas gab es keinen Ostermorgen, kein Picknick am See mit dem Auferstandenen[22]. Weil sich Judas in seiner Verzweiflung selbst das Todesurteil sprach.
Aber - sucht nicht der gute Hirte, Gott selbst, das Verlorene, so lange, bis er es findet?[23] Und heißt es nicht im 139. Psalm: „Bettet ich mich im Totenreich, siehe, du bist da“[24]
Ich vertraue darauf, das Gottes Liebe am Ende größer ist als alle Verzweiflung und das kein Ort so entlegen ist, dass Jesus sich nicht auf den Weg dorthin machen würde[25]. Das hoffe ich, mit jeder Faser meines Herzens. Ich hoffe es für uns alle. Ich hoffe es für Judas. Ich hoffe es für alle, die seinen Weg gingen.
Meine Augen sehen stets auf den HERRN, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.
Im Vertrauen darauf ist Jesus seinen Weg gegangen.
Es waren viele beteiligt an seiner Verhaftung, an den Verhören und der Folter, an dem ungerechten, auch nach jüdischem Recht ungerechten Prozess[26]. Es waren viele beteiligt an seiner Hinrichtung. Und viele haben einfach nur stumm zugeschaut oder sind achtlos weitergegangen.
Jesus ist überliefert worden. Von Judas an das Verhaftungskommando, eine Instanz reichte ihn weiter zur nächsten. Buchstäblich „von Pontius nach Pilatus“ wurde er überliefert.
Es waren viele daran beteiligt, Jesus zu töten.
Und doch war es letztlich Jesus selbst, der sein Leben preisgab, der es dahingab. Der sich auslieferte.
Aus Liebe zu einer verlorenen Welt.
Aus Liebe zu seinem Volk.
Aus Liebe zu uns, den Menschen aus den Völkern.
Aus Liebe zu mir. Aus Liebe zu Dir.
AMEN.
[1] Psalm 25,15 - dem Anfang dieses Verses verdankt, in lateinischer Sprache, dem Sonntag Oculi seinen Namen. Der Psalm wurde vor der Predigt gebetet, zusammen mit dem Liedruf aus Taize „Oculi nostri ad dominum deum“
[2] Meiser, Martin: Judas Iskariot. Einer von uns, Leipzig, 2004, S. 32ff
[3] Klaas Huizing gibt zu bedenken: „Dramaturgisch nicht plausibel zu beantworten bleibt die Frage, warum sich ein geldgieriger Protagonist mit dieser demütigenden Summe zufriedengibt.“, Huizing, Klaas in: „Judas Iskariot bibeldidaktisch“, Bei www.bibelwissenschaft.de, einem Portal der Deutschen Bibelgesellschaft, https://www.bibelwissenschaft.de/fileadmin/buh_bibelmodul/media/wirelex/pdf/Judas_Iskariot_bibeldidaktisch__2019-02-05_13_39.pdf, abgerufen am 10.03.2023, 12:20 Uhr.
Wolfgang Fenske verweist auf intertextuelle Zusammenhänge, was die Summe der dreißig Silberlinge betrifft. Besonders auffallend ist der Bezug zu Sacharja 11,13. Diesen höchst unangemessen geringen Betrag setzen die Herrschenden fest, als der gute Hirte seinen Dienst nicht länger ausüben will. Nach dieser Lesart wäre Judas jedoch mit dem guten Hirten zu identifizieren, siehe: Fenske, Wolfgang: Brauchte Gott den Verräter? Die Gestalt des Judas in Theologie, Unterricht und Gottesdienst, Göttingen, 1999, S. 81. Diesen intertextuellen Bezug verarbeitet Walter Jens in seiner Verteidigungsrede des Judas in „Der Fall Judas“ in einer Judas entlastenden Weise. Siehe: Die Verteidigungsrede des Judas, mit Bruno Ganz als Judas: https://www.youtube.com/watch?v=z1oFDNSM-9c abgerufen am 06.03.2023, 19 Uhr
[4] Denker, Jochen: „Hoffnung für Judas Iskariot“. Predigt vom 26.02.2023 in der Reformierten Gemeinde Wuppertal-Ronsdorf, https://gem.reformiert-ronsdorf.de/mp3/Predigt230226.pdf , abgerufen am 06.02.23, 18:57 Uhr.
[5] ebenda
[6] Eine umfassende und doch gut lesbare Übersicht über die antisemitische Wirkungsgeschichte christlicher Judas-Rezeption bietet: Meiser, Martin: Judas Iskariot. Einer von uns, Leipzig, 2004
[7] So etwa Schlatter, Adolf, der nicht zuletzt auch in freikirchlichen, erwecklichen Kreisen zum Teil bis heute häufig rezipiert wird: Das Evangelium nach Lukas. Aus seinen Quellen erklärt, Leipzig, 1952, S. 322: „Mit einem Kuss den Menschensohn verraten ist schlimmster Verrat. Mit seiner Heuchelei bewies Judas, dass er wusste, was er tat. Obgleich er Jesus haßt und vernichten will, sieht doch immer noch mit innerem Bangen auf ihn als den Träger der Gottesmacht, vor dem er sich sorgfältig deckt, und mag es trotzdem nicht lassen, selbst mit Hand anzulegen, daß ihm der Tod bereitet sei.“
[8] In der Literatur finden sich weitere, ähnliche Verarbeitungen des Judas-Stoffes, etwa in Luise Rinsers Roman „Mirjam“.
[9] Zitiert nach: Oz, Amos: Jesus und Judas. Ein Zwischenruf, Ostfildern, 2019, S. 32f
[10] Ebenda, S. 33
[11] Ebenda, S. 33f
[12] Ebenda, S. 41
[13] Siehe Markus 8,31; Lukas 24,7
[14] Siehe ebenda
[15] Mt 26,22, siehe auch, etwas anders gelagert die Frage der Junger untereinander nach Lk 22,23
[16] Lukas 22,42b (ELB)
[17] Jesaja 9,4
[18] Matthäus 5,5
[19] Lukas 22,36
[20] Dass sich mit dem Griff zur Waffengewalt schwere Gefahren verbinden, darauf weist Jesus ebenfalls an anderer Stelle hin (Matthäus 26,52) „Wer zum Schwert greift, wird durchs Schwert umkommen“.
[21] 2. Kor.11,15
[22] Johannes 21,15ff
[23] Lukas 15,1-7
[24] Psalm 139,8 ELB, „Scheol“ ersetzt durch „Totenreich“, der leichteren Verständlichkeit wegen.
[25] Siehe Apostolisches Glaubensbekenntnis, nach dem Christus „hinabgestiegen (ist) in das Reich des Todes“. Siehe: https://www.ekd.de/apostolisches-glaubensbekenntnis-10790.htm, abgerufen am 10.03.2023, 12:58 Uhr.
[26] Dormeyer, Detlev: Kein Prozess Jesu: Die römische Strafjustiz gegen Juden nach den neutestamentlichen Passionsgeschichten und Josephus; 2015, S.129ff http://hdl.handle.net/10900/122453
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen